Diabetes

Liebe Leserinnen und Leser,

Diabetes ist eine Zivilisationskrankheit mit großen volkswirtschaftlichen Folgeschäden. Die medizinischen Grundlagen der Zuckerkrankheit sind hinlänglich erforscht, die Therapiemöglichkeiten perfektioniert. Das Leben mit der Krankheit ist im Alter wie in der Jugend bei gut eingestellten Blutzuckerwerten dem Leben Gesunder vergleichbar.
Wie kommt es dann, dass nach Angaben des Deutschen Diabetiker Bundes die Hälfte der sechs bis acht Millionen Betroffenen nichts von ihrer Krankheit wissen?

Anlässlich des Weltdiabetestages am 14. November 2001 wurde darauf hingewiesen, dass die Stoffwechselkrankheit Diabetes zu einer gefährlichen Gefäßkrankheit geworden ist. Diabetiker erleiden drei bis fünfmal häufiger einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall als Nichtdiabetiker. 70 Prozent der Diabetiker überlebten den ersten Herzinfarkt nicht.

Infolge des nicht oder schlecht eingestellten Diabetes manifestieren sich Gefäß- und Nervenschädigungen! Später folgen Schäden bekanntlich an den Erfolgsorganen: am Auge (30%), am Kreislaufsystem (Bluthochdruck 20%), an den Nieren (9%). Über Fußschäden bis hin zu den unsäglichen Amputationen haben wir all die Jahre immer wieder berichtet.

Die Stoffwechselstörung Diabetes zeigt sich also mit neuen Komplizen im Schadenskartell. Disease (Krankheits-) Management- Programme sollen nun helfen. Einerseits sollen sie langfristig Kosten sparen, andererseits sollen sie die Versorgung chronisch Kranker verbessern. Die Grundidee von "Managed Care" aus den USA: die Behandlung langfristig besser durchzuorganisieren. Hausärzte, Fachärzte, Kliniken, Pflegekräfte und sonstige sollen sich absprechen und koordinieren. Patienten sollen im Umgang mit ihrer Krankheit geschult und optimal auf ihre Medikamente eingestellt werden.

Zu einer Zeit, da Gesundheitspolitik vorwiegend der volks- und betriebswirtschaftliche Versuch ist, mit politischen Machtmitteln den "Markt für medizinische Dienstleistungen" grundlegend zu regulieren, bleibt abzuwarten, wie der Hauptakteur - der Patient - sich verhält. Bleibt / wird er Mittelpunkt? Oder Mittel? Punkt.

Für Ihre Gesundheit alles Gute wünscht Ihnen

Ihr Wolfgang Woynar


Diabetes

Diabetes mellitus ist eine Volkskrankheit. Die Ergebnisse epidemiologischer Studien deuten daraufhin, dass bis zum Jahr 2010 jeder zehnte Deutsche Diabetiker sein wird. Ebenso alarmierend ist der dramatische Anstieg des Typ-2-Diabetes bei Jugendlichen. Der Zusammenhang mit erheblichem Übergewicht ist eindeutig.
Die wörtliche Übersetzung für Diabetes mellitus - vom Volksmund auch als Zuckerkrankheit bezeichnet - klingt verheißungsvoll: "honigsüßer Durchfluss".
Die Diagnose ist leicht aufgrund eines erhöhten Blutzuckerspiegels gestellt, wobei wir zwei Formen unterscheiden: zum einen der Diabetes Typ 1, der hauptsächlich im Kindes- und Jugendalter auftritt, und zum anderen der Diabetes Typ 2 - früher als Altersdiabetes bezeichnet - die Zivilisationskrankheit. Das Problem: die ersten Anzeichen wie Zittern, Unruhe, Schwitzen und ein allgemeiner Leistungsabfall werden ignoriert oder bagatellisiert. Schätzungsweise zwei Millionen Deutsche wissen überhaupt nicht, dass sie bereits an Diabetes erkrankt sind oder zu den Risikopatienten gehören. Deshalb liegt mir die Aufklärung besonders am Herzen.
Neben der genetischen Veranlagung sind Überernährung und Bewegungsmangel sowie das immer höhere Lebensalter unserer Bevölkerung die wichtigsten Gründe.

Das "zweite Gesicht" der Zuckerkrankheit sind die Folgeschäden, die bei überhöhten Blutzuckerwerten über Jahre entstehen. Vor allem, wenn man nichts davon weiß. Neuralgische Punkte sind die klassischen Organe Herz und Gehirn, Auge und Niere.
Diabetes ist aber vor allem - darauf wurde anlässlich des diesjährigen Weltdiabetestages hingewiesen - eine gefährliche Gefäßerkrankung:
Durchblutungsstörungen der Gefäße (Mikro- und Makroangiopathie) und des Herzens (Arteriosklerose). 75 Prozent der Diabetiker sterben an Gefäßerkrankungen. Sie leiden zwei bis dreimal häufiger an Erkrankungen der Herzkranzgefäße und Durchblutungsstörungen des Gehirns. Zwölf Prozent erliegen einem Schlaganfall.

Notwendige, ja dringende Konsequenz: rechtzeitige Kontrolle der gefährdeten Organsysteme durch regelmäßige Kontrollen beim Hausarzt. 95 Prozent der Diabetiker sind an Typ 2 erkrankt, fünf Prozent - meist Kinder und Jugendliche, die unter Insulinmangel leiden - an Typ 1. Der mit der Nahrung aufgenommene Zucker gelangt nicht in die Körperzellen, sondern verbleibt im Blut.

Die Ursache des jugendlichen Diabetes liegt in einer Störung des Immunsystems: die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse werden durch eine Entzündung zerstört. Die Folge: es wird kein Insulin mehr ausgeschüttet. Eine "chronische Autoimmunerkrankung also, die bei einem von fünfhundert Kindern auftritt - insgesamt sind in Deutschland 20 000 Kinder und Jugendliche betroffen. Behandelt werden Sie mit einer Insulinersatztherapie. Gesundheit und Lebensqualität können erreicht werden, vorausgesetzt die Krankheit wird akzeptiert und die Folgekrankheiten werden durch eine möglichst frühzeitige Diagnose so eingedämmt, dass die sofortige Insulintherapie eine mittelfristige günstige Stoffwechsellage erzielt. Denn nur wenn der Patient "sehr gut eingestellt" ist - wenn also die Blutzuckerwerte denen eines Nichtdiabetikers entsprechen - nur dann können Folgeschäden verhindert oder zumindest hinausgezögert werden. Generell kann man sagen, dass der Langzeitzuckerwert, HbA1c unter sieben, einer sehr guten Einstellung entspricht.

Dreh- und Angelpunkt in der Diabetestherapie ist es, den Blutzuckerwert, die Blutfette und den Bluthochdruck "in den Griff" zu bekommen und auf einem konstanten, normalen Niveau zu halten. Wie aber erreichen wir eine sehr gute Einstellung? Wie können Gefäßerkrankungen minimiert werden? Die Weiterentwicklung der Insuline und Insulinanaloga bieten eine gute Möglichkeit, die Einstellung zu verfeinern, zu verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Durch eine Kombination von kurz- und langwirksamen Insulinen ist die Therapie wesentlich flexibler geworden - die Natur wird besser imitiert: zu den Mahlzeiten ein kurzwirksames und abends ein langwirksames Insulin.

Neben den Human-Insulinen sind gerade die synthetisierten Ananaloga vielversprechend: die neuen künstlichen Insuline sind wirksamer und schneller.

In der Arztpraxis überwiegen - wie gesagt - die Typ-2-Diabetiker. Diese leiden nicht unter einer Autoimmunkrankheit, sondern an einer Insulinresistenz. Das heißt, dass weder das vom Körper ausgeschüttete Insulin noch das gespritzte voll zur Wirkung kommt, weil die Zielzellen einfach nicht darauf reagieren. Zudem wird Insulin viel zu spät und viel zu langsam von der Bauchspeicheldrüse "geliefert". Die Folge: ein echter Insulinmangel, dieser treibt die Zuckerwerte in die Höhe, das wiederum wird durch erhöhtes Insulin beantwortet. Ein Teufelskreis! Der aber kann nur durch eine gute Einstellung aufgefangen werden.

Trotz Einsparungen im Gesundheitswesen bedürfen insbesondere ältere Patienten einer qualifizierten, konsequenten medizinischen und ärztlichen Begleitung. Sinnvoll ist oftmals eine Kombination aus mehreren Medikamenten mit unterschiedlichen Wirkmechanismus: deren Effekte addieren sich und bilden Synergien.

Die Bemühungen des Zuckerkranken in enger Zusammenarbeit mit dem Arzt seines Vertrauens seine "Werte" möglichst normal einzustellen, sind - wie gesagt - weit fortgeschritten. Dennoch: die Nebenwirkung "Unterzuckerung" wird sich nie ganz vermeiden lassen. Der Blutzucker wird in einem sehr engen Bereich reguliert. Die Abweichung von der "Norm" bedeutet immer einen Schaden für die Gesundheit.
Bei zu niedrigen Werten sind die Leistungsfähigkeit vor allem des Gehirns und das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigt. Normalerweise verhindert das Hormon Glucagon, dass der Blutzucker unter 70 oder 60 "abrutscht". Glucagon jedoch ist bei einem Diabetiker des Typ 1 bald nicht mehr vorhanden. Die Hypoglykämie ist und bleibt das große Problem. Deshalb sind die Diabetiker-Schulungs-Kurse so wichtig: hier lernen die Patienten, das Gleichgewicht herzustellen zwischen:

• Muskelarbeit (zuckersenkend).
• Kohlenhydrat- oder Eiweißzufuhr (zuckererhöhend).
• Insulin (zuckersenkend).

Der "diabetische Fuß" ist ein sehr belastender Folgeschaden. Moderate Bewegung kombiniert mit einer gesunden Ernährung - das sind zwei wichtige Säulen im Kampf auch gegen die Folgeerkrankungen des Diabetes.

Erste Anzeichen eines Diabetes:
• Durstgefühl.
• Müdigkeit.
• Häufiges Wasserlassen.
• Sehstörungen.
• Juckreiz.
• Schlecht heilende Wunden

Ihr Wolfgang Woynar Arzt für Allgemeinmedizin - Sportmedizin




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