
Venenleiden
Liebe Leserinnen und Leser,
Venenleiden sind nicht nur ein kosmetisches Problem. Besenreiser und Krampfadern
haben sich zu einer Volkskrankheit entwickelt.
Ursächlich für Venenleiden ist eine - oftmals vererbte - Schwäche
des Bindegewebes. Zudem müssen unsere Venen täglich Schwerstarbeit
leisten: unser Blut wird vom Herzen durch Arterien in jeden Bereich des Körpers
gepumpt und dann wieder zum Herzen zurück. Das bedeutet: das Blut muss
durch die Venen "bergauf" transportiert werden.
Verschiedene Mechanismen ermöglichen den venösen Blutstrom in einem
fein abgestimmten Zusammenspiel:
das Zwerchfell, der Arteriendruck und - ganz wichtig! - die Muskelvenenpumpe
der Waden. Außerdem fangen funktionsfähige Venenklappen das Gewicht
der bis zu eineinhalb Meter hohen Blutsäule auf und verhindern einen
Rückfluss des Blutes.
Dieses System funktioniert jedoch nicht mehr, wenn die Muskelwände der Venen erschlaffen und sich krankhaft erweitern. Dadurch werden die Venenklappen in Mitleidenschaft gezogen und schließen nicht mehr dicht. In der Folge tritt Blutwasser aus den Venenwänden ins Gewebe aus. Es kommt zu Schwellungen, Gewebeentzündungen und - bei Nichtbehandlung sowie in Extremfällen - zum sogenannten "offenen Bein" (ulcus cruris).
In Deutschland leiden jede zweite Frau und jeder vierte Mann mehr oder weniger stark an Venenbeschwerden. Jeder achte Erwachsene hat eine fortgeschrittene Venenerkrankung und über eine Million Menschen müssen sich wegen offener Beine behandeln lassen.
Die Erklärung: allzu viele Menschen sitzen oder stehen täglich stundenlang - beruflich und privat. Bei derartigem Mangel an Bewegung besteht die erhöhte Gefahr, dass das Blut in den Beinen versackt, und dass es so mit der Zeit zu Störungen beim Rücktransport des Blutes kommt. Besonders Krampfader- gefährdet sind Frauen in der Schwangerschaft. Das betrifft vor allem Frauen, die bezüglich Venenerkrankungen familiär vorbelastet sind. Insbesondere bei nachfolgenden Schwangerschaften steigt die Gefahr, dass Krampfadern auf Dauer bestehen bleiben. Aber auch im Alter erhöht sich das Risiko einer Venenerkrankung durch die zunehmende Erschlaffung des Gewebes.
Typische Warnzeichen für Krampfaderleiden sind Stauungen in den Unterschenkeln und im Knöchelbereich. Parallel zu diesen Stauungen, die als "schwere Beine" empfunden werden, tritt eine blaue oder rötliche Färbung der Haut auf als äußerlich sichtbare Folge der erweiterten Venen.
Daneben kann es aber auch zu oft stark juckenden Stauungsekzemen kommen. Werden diese Ekzeme aufgekratzt, entstehen offene Hautpartien, die sich leicht infizieren.
Besonders gefährlich wird es dann, wenn tiefe Beinvenen in ihrer Funktion geschädigt sind. Dann kann unter Umständen eine Thrombose (Blutpfopfbildung) auftreten. Wandert dieses Blutgerinnsel aus den Beinen zum Beispiel in die Lunge, dann kommt es zu einer lebensgefährlichen Lungenembolie.
Behandlungsmethoden.
Nach einer gründlichen Untersuchung mit Abklärung etwaiger Risikofaktoren
richtet sich die nachfolgende Therapie natürlich nach dem jeweiligen
Einzelfall. Ekzeme und entzündliche Hautbezirke werden durch Salben-
und Kompressionsverbände behandelt. Das gleiche gilt auch für eine
Venenentzündung. Kleinere Venen werden unter Umständen verödet,
bei ausgeprägter Krampfaderbildung ist zumeist eine frühzeitige
Operation angesagt.
Bei der Behandlung von Krampfadern muss man unterscheiden zwischen einer Krampfaderbildung an den großen Venenstämmen und der sogenannten "netzförmigen Krampfaderbildung".
• Krampfadern an den großen Venenstämmen (große Hautsammelvene
an der Innenseite des Beins und kleine Hautsammelvene an der Wade), die zu
80 Prozent einseitig vererbt sind, sollten so früh wie möglich operiert
werden. Mit einer rechtzeitigen Operation kann man vermeiden, dass es zu Stauungsekzemen
oder gar zum offenen Bein kommt.
• Die leichteste Form der netzförmigen Krampfaderbildung, der sogenannten
retikulären Varikose, sind die Besenreiser. Diese betreffen das gesamte
Bein und treten fast immer an beiden Beinen auf. Besenreiser, von denen überwiegend
Frauen betroffen sind, können verödet werden.
Bei der Behandlung von Krampfadern hat sich seit langem die Kompressionstherapie - durch elastische Verbände oder auch Stützstrümpfe - bewährt. Durch Kompression wird die Muskelvenenpumpe unterstützt und die Venenklappen werden entlastet. Auf diese Weise kann man Stauungen vorbeugen. Moderne Strümpfe oder Strumpfhosen aus hautfreundlichen Garnen haben viel von ihrem Schrecken verloren und mit den berüchtigten "Gummistrümpfen" von einst kaum noch etwas gemeinsam. Wichtig für den Erfolg: sie müssen exakt angepasst werden.
Tipps und Verhaltensregeln
Das A und O für Krampfaderpatienten ist immer die ausreichende, tägliche
Bewegung. Dies betrifft besonders Venenpatienten, die beruflich viel stehen,
aber natürlich auch die Sitzberufe ("Schreibtischtäter").
Viel bewegen bewirkt fast immer eine Linderung. Hier empfehlen sich Ausdauersportarten,
bei denen die Muskelvenenpumpe aktiviert wird, also laufen, wandern, Rad fahren,
schwimmen, tanzen.
Venenpatienten sollten, um Schwellungen, Venenentzündungen oder gar tiefen Thrombosen vorzubeugen, auf langen Auto- und Busfahrten, besonders aber auf Flügen Kompressionsstrümpfe bis zum Knie tragen.
Positiv wirken auch Kneippsche Wasseranwendungen an den Beinen. Durch die kalten Güsse ziehen sich die Venenwände zusammen, und es kommt zu einem besseren Rückfluss des venösen Blutes zum Herzen.
Dagegen sollte der Venenpatient große Hitze meiden, denn hohe Umgebungstemperaturen in südlichen Ländern, Sonnenbaden, warme Thermalbäder und hohe Saunatemperaturen bewirken eine Verschlechterung des Grundleidens.
Für Ihre Gesundheit alles Gute wünscht Ihnen
Dr. med. Wolfgang Woynar Arzt für Allgemeinmedizin - Sportmedizin
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Ulcus cruris: Heilung nur mit viel Geduld.
Das "offene Bein": Geschwüre sind oft hartnäckig.
Das Ulcus cruris, im Volksmund "offenes Bein genannt", stellt die
Geduld sowohl des betroffenen Patienten als auch seines Arztes auf eine harte
Probe. Doch mit konsequenter Kompression, der richtigen Therapie und viel
Zeit und Mühe lassen sich selbst hartnäckige, durch Venenentzündung
entstandene Geschwüre zur Abheilung bringen.
Wichtig ist erst einmal, das jeweilige Stadium zu berücksichtigen. Ist
das Geschwür durch "Krampfadern an den großen Venenstämmen"
bedingt, steht die operative Ausschaltung der Ursache, der Varizen, ganz im
Vordergrund. Erfahrungsgemäß heilt danach das Ulcus schnell ab.
Schwieriger wird die Behandlung, wenn das Ulcus infolge einer tiefen Beinvenenthrombose
entstanden ist. (Venen leiten bekanntlich das Blut zum Herzen zurück.
Sie verlaufen oberflächlich unter der Haut, aber auch in der Tiefe.)
Basismaßnahme ist die feste Kompression, die - je nach Stadium oder
"Phase" des Ulcus - von unterschiedlichen Lokalmaßnahmen begleitet
wird.
• VOR - ULCUS -PHASE: Als erstes Zeichen einer Ulcusbildung fällt im Bereich des Innenknöchels ein verhärteter Bereich mit Rötung auf. Juckreiz und Schmerz kündigen das Aufbrechen des Ulcus an. Therapie der Wahl ist eine lokale Salbenbehandlung in Verbindung mit einem Kompressionsverband. Ziel ist es, die Entzündung zu hemmen, nachfolgend Bakterien- und Pilzbefall zu verhindern.
• ULCERIERENDE PHASE: Unter schmerzhafter Gewebeeinschmelzung entwickelt sich jetzt das Geschwür. Durch Kompression der Venen im Umfeld des Ulcus muss man in diesem Stadium verhindern, dass das Geschwür weiter aufgeht. Deshalb muss die Wunde täglich mit einer Salbe mit enzymatische Wundreinigung versorgt werden. Der Wundrand wird mit einer Fettsalbe eingerieben, damit er geschmeidig bleibt. Außerdem wird ein Fettgitter aufgelegt. Der Kompressionsverband, bestehend aus zwei gegenläufig gewickelten Kurzzugbinden, darf auch nachts nicht entfernt werden. Der Wechsel erfolgt am besten in der Praxis des Arztes, anfangs täglich, später dreimal, dann zweimal pro Woche.
• LATENZPHASE des ULCUS: Das Ulcus ist zusätzlich mit Fibrinbelägen
(Eiweißstoff des Blutes) bedeckt und oft infiziert. Deshalb säubern
wir die Wunde mit einer Lösung, vereisen und entfernen den Fibrinbelag
mit einem scharfen Löffel. Die Wunde wird desinfiziert und mit einer
Wundsalbe, der Wundrand mit einer Fettsalbe eingerieben. Erst dann folgt der
Kompressionsverband.
Mindestens alle zwei Tage notwendig: Verbandwechsel mit Erneuerung der Lokaltherapie.
Tägliche Spaziergänge unter fester Kompression sind dringend notwendig
für den Heilungserfolg.
• GRANULATIONSPHASE: Wenn der Wundgrund gesäubert ist, muss die Wundheilung (Granulation) angeregt werden. Das erreicht man am besten durch unspezifische Mittel. Entscheidend sind wieder die feste Kompression der Muskulatur im Umfeld und körperliche Bewegung.
• EPITHELISIERUNGSPHASE: Der Wundgrund zeigt eine jetzt gute Granulation und Durchblutung, die Bildung neuer Haut beginnt. Es genügt eine leicht fettende Abdeckung (z.B. Fettgitter), feste Kompression und viel Bewegung. Dieses Stadium kann sich über Monate hinziehen.
• Nach - ulceröse Phase: Das Ulcus hat sich geschlossen, die neue
Haut ist aber noch so verwundbar "wie ein rohes Ei". Wenn der Patient
jetzt schon einen Kompressionsstrumpf anzieht, löst sich die Haut sofort
wieder ab. Man sollte also lieber noch eine Weile beim bewährten festen
Kompressionsverband bleiben, bis sich die neue Haut gefestigt hat, der (ehemalige)
Ulcusbereich wieder gut durchblutet ist und keine Entzündung besteht.
Danach genügt meist ein Kompressionsstrumpf bis zum Knie, um ein Wiederauftreten
eines Ulcus zu verhindern. Lokal ist lediglich noch eine leichte Fettung empfehlenswert.
Ihr Wolfgang Woynar
