
Liebe Leserinnen und Liebe Leser,
Beim Gesunden hilft eine vitaminreiche, ausgewogene Ernährung
viele Krankheiten zu verhindern. Ungleich wichtiger ist es beim bereits erkrankten
Menschen, eine zusätzliche Belastung durch ungeeignete Ernährung
zu vermeiden.
Herz-Kreislauferkrankungen werden bekanntermaßen durch Veränderungen der Gefäßwände verursacht. Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, zu hohe Cholesterinwerte und Bluthochdruck sind neben dem Zigarettenrauchen Hauptursachen für Arteriosklerose, die zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen kann. In vielen internationalen Studien ist nachgewiesen worden, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser durch eine gesunde Ernährung und das Vermeiden von Übergewicht dazu beitragen können, Ihr persönliches Risiko zu mindern.
Wie sollte nun so eine gesunde Ernährung für Herz- Kreislaufpatienten
aussehen? Meine Antwort: Auf die richtige Mischung kommt es an!
Berücksichtigen Sie die Erkenntnisse der Ernährungsexperten bei
der Zusammenstellung Ihrer Lebensmittel.
Der Energiegehalt Ihrer Ernährung sollte aus etwa 50 - 55 % Kohlenhydraten
(1 g Kohlenhydrat hat 4 kcal), 25 bis maximal 30 % Fett (1 g Fett hat 9 kcal!)
und 10 - 20 % Eiweiß bestehen.
Beachten Sie hierbei, dass 1 Gramm Fett mehr als doppelt so viele Kalorien
hat wie 1 Gramm Kohlenhydrat oder Eiweiß! Somit wird klar, warum man
gerade den Fettanteil deutlich senken muss, um eine wirksame Gewichtsreduktion
zu erreichen. Prinzipiell sollten Sie täglich nicht mehr als 60 - 80
Gramm Fett zu sich nehmen.
Der Unterschied zwischen guten und schlechten Fetten besteht in ihrer Eigenschaft, ob sie sich in den Gefäßen anreichern, in der Folge dann in den Gefäßwänden ablagern oder nicht.
Etwas Gutes haben alle Fette gemeinsam: nur zusammen mit den fettlöslichen Vitamine A, D, E und K können sie aus dem Darm in den Blutkreislauf gelangen. Deshalb ist das Öl am Salat nicht nur geschmacksfördernd sondern auch gesund! Ohne dieses würden die fettlöslichen Vitamine über den Stuhl einfach wieder ausgeschieden werden.
Als ungesund, das heißt Arteriosklerose fördernd, gelten vor allem
die tierischen Fette. Diese bestehen aus gesättigten Fettsäuren,
zum Beispiel Butter, Schweine- und Gänseschmalz, Milchfett. Aber auch
in gehärteten pflanzlichen Fetten können diese ungesunden Fette
enthalten sein (Kokosfett).
Die guten Fette sind aus ungesättigten Fettsäuren zusammengesetzt,
die in vielen pflanzlichen Ölen enthalten sind, wie etwa Olivenöl,
Sonnenblumenöl, Maiskeimöl oder Distelöl.
Das in Meeresfischen (nicht in Süßwasserfischen!) enthaltene Fett enthält Omega-3-Fettsäuren. Diese sollen nach Expertenmeinung Schutz vor Arteriosklerose bieten!
Kohlenhydrate sind eine leichtverdauliche, bekömmliche Energiequelle. Sie belasten den Verdauungstrakt wenig. Außer bei Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus können sie unbedenklich als Energie-Hauptlieferant genutzt werden, vor allem Mehlprodukte wie Brot und Nudeln. Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten wie Naturreis, Hülsenfrüchten oder Vollkornbrot gelangen langsamer ins Blut, da sie erst durch eine rege Verdauungstätigkeit in Darm in Einfachzucker gespalten werden müssen.
Eiweiße sind sowohl in pflanzlichen als auch tierischen Nahrungsmitteln
enthalten. Nur sie decken den Bedarf an essentiellen Aminosäuren und
die wiederum sind für das Funktionieren vieler Zellfunktionen unseres
Körpers unverzichtbar. Als Richtschnur gilt: ca. 0,8 Gramm Eiweiß
je Kilo Körpergewicht (ca. 40 - 70 g) pro Tag.
Geeignet für Herz- Kreislaufpatienten sind eher magere Fleischsorten wie Puten- oder Hähnchenfleisch, Meeresfische oder aber auch mageres Kalb- oder Rindfleisch. Fettarme Joghurts und andere fettreduzierte Milchprodukte stellen hochwertige Eiweißlieferanten dar, die häufig auch noch die gesunde Darmflora stärken. Pflanzliche Eiweißlieferanten wie Kartoffeln oder Hülsenfrüchte sind ebenfalls zu empfehlen. Wurst (exkl. Schinken), fetter Käse oder Eier sollten aufgrund ihres hohen Fett-, bzw. Cholesteringehalts nur eher selten auf den Tisch kommen.
Übermäßig viel Kochsalz treibt den Blutdruck in die Höhe!
Darüber hinaus bindet Kochsalz Flüssigkeit im Körper. Dies
führt bei Patienten mit Herzschwäche dazu, dass das Herz vermehrte
Pumparbeit leisten muss, dadurch überfordert und noch weiter geschwächt
wird.
Patienten mit Bluthochdruck sollten darauf achten, dass sie die empfohlene
Tagesmenge auf keinen Fall überschreiten. Die empfohlene Tagesmenge an
Natrium beträgt 1,1 - 3,3 Gramm; dies entspricht einer Kochsalzmenge
von 2,75 - 8,25 Gramm täglich.
Verbessern Sie anstelle von Kochsalz den Geschmack Ihrer Speisen mit frischen
Kräutern und Gewürzen. Das fördert zudem die Verdauung.
Bei rheumatischen Erkrankungen zeigt die Erfahrung, dass übermäßiger
Genuss von Fleisch und Wurst sich negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken,
das heißt die rheumatischen Beschwerden nehmen deutlich zu.
Vollkornprodukten zusammen mit Obst und Gemüse können rheumatische
Beschwerden vermindern.
Nahrungsmittel, die Omega-3-Fettsäuren enthalten, können Rheumabeschwerden
wirksam lindern. Omega-3-Fettsäuren sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren,
die vor allem in Fischen vorkommen. Zu diesen zählen Hering, Lachs, Karpfen,
Makrele, Forelle und Steinbutt. Eskimos leiden extrem selten unter rheumatischen
Erkrankungen. Sie können Sie die Omega-3-Fettsäuren auch in Form
von Lachs- oder Fischölkapseln zu sich nehmen. Ähnlich günstig
wirken Linolensäuren, die in pflanzlichen Ölen ( Leinöl, Rapsöl,
Weizenkeimöl, Johannisbeeröl u. a.) enthalten sind.
Im Gegensatz hierzu verschlechtern Nahrungsmittel, die viel Arachidonsäure
enthalten, das Krankheitsbild. Die entzündungsfördernde Arachidonsäure
ist eine ungesättigte Fettsäure, die in vielen Nahrungsmitteln tierischen
Ursprungs zu finden ist. Reichlich enthalten in Schweineschmalz, Schweine-
und Kalbsleber, aber auch im normalen Muskelfleisch (Kotelett, Steak, Hühnerfleisch).
Aus gleichem Grund sollten Rheumatiker Eigelb möglichst meiden. Denken
Sie auch daran, dass Eigelb in Nudeln in großer Menge enthalten sein
kann.
Vorsicht Fischliebhaber: auch Thunfisch hat einen hohen Gehalt an Arachidonsäure!
Die Vitamine E und C hemmen Entzündungsprozesse! Sie wirken im Körper antioxidativ auf freie Radikale im Blut. Bei ausreichender Zufuhr können auch Entzündungen innerhalb der Gelenke günstig beeinflusst werden. Am besten nehmen Sie beide Vitamine gleichzeitig ein, da ein Vitamin allein die Radikalenbildung nicht effektiv hemmt. Am besten decken Sie Ihren Vitamin C-Bedarf über viel frisches Obst und Gemüse (Zitrusfrüchte, Kiwi, Paprika, Brokkoli). Vitamin E ist vor allem in Pflanzenölen (Sonnenblumen-, Soja-, Weizenkeim- oder auch Olivenöl) enthalten. Zusätzlich eingenommenes Selen (Spurenelement) kann die günstige Wirksamkeit dieser beiden Vitamine noch weiter verbessern. Um den Calciumbedarf für einen gesunden Knochenaufbau zu decken, sollte ca. ½ Liter Milch pro Tag getrunken werden. Alkohol fördert die Bildung von Radikalen im Körper, die wiederum entzündungsfördernd wirken. Aus diesem Grund sollten Rheumakranke möglichst keine alkoholischen Getränke zu sich nehmen.
Bei Gicht liegt eine erbliche Störung des Harnsäurestoffwechsels
vor. Beim Abbau von tierischen Eiweißen über den Purinstoffwechsel
entstehen erhöhte Harnsäurespiegel im Blut, die für die Entstehung
der Gicht verantwortlich sind. Ihr Hausarzt wird Ihnen deshalb eine purinarme
Diät – lebenslang – empfehlen. Reduzieren Sie vor allem Ihren
Wurst- und Fleischkonsum oder verzichten Sie ganz darauf. Innereien sind ebenfalls
sehr purinreich und deshalb vom Speisezettel zu streichen. Hummer, Krabben,
Ölsardinen aber auch Hülsenfrüchte wie Erbsen, weiße
Bohnen oder Linsen ebenfalls.
Alkohol hemmt die Harnsäureausscheidung über die Nieren. Ein Gichtanfall
kann die Folge sein. Trinken Sie deshalb möglichst wenig alkoholische
Getränke und bevorzugen lieber Mineralwasser und Tee als Getränk.
Beachten Sie, dass Sie mindestens 2 Liter Flüssigkeit pro Tag trinken
sollten. Dies schützt Ihre Niere vor der Bildung von Nierensteinen!
Darmträgheit und Verstopfung sind häufig das Resultat falscher
Ernährung und zu wenig Bewegung. Fast- Food und Chips haben nur wenig
anregende Wirkung auf die Darmmotorik.
Ballaststoffe können wir nicht verdauen. Im Darm quellen sie auf, der
Darm bestrebt, den reizenden Inhalt wieder loszuwerden – die Darmtätigkeit
wird aktiviert. Gleichzeitig werden schädliche Substanzen abgebunden
und ausgeschieden. Reich an Ballaststoffen sind Getreideprodukte aus dem ganzen
Korn wie Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Vollkornreis, Obst, Gemüse und
Hülsenfrüchte. Bevorzugen Sie diese Nahrungsmittel, wenn Sie an
Verstopfung leiden. Saure Milch wie Molke, Buttermilch oder Naturjoghurt führt
ab!
Mein Rat: Trinken Sie genug?
Für eine geregelte Verdauungstätigkeit benötigt der Darm ausreichend
Flüssigkeit. Wenn sie an Darmträgheit leiden, sollten Sie unbedingt
mindestens 2 Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich nehmen. Als Getränke
geeignet sind vor allem Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetees
und ungesüßte Obstsäfte.
Welche Lebensmittel helfen noch gegen Verstopfung?
Zahlreiche Lebensmittel haben eine abführende Wirkung und können
bei Verstopfung helfen. Hierzu zählen: Sauerkrautsaft, eingeweichtes
Trockenobst (Pflaumen, Feigen), Apfelessig, Leinsamen, Milchzucker.
Was tun bei Durchfall?
Als Folge des Durchfalls verliert der Körper viel Flüssigkeit und
Mineralstoffe. Diese müssen ersetzt werden, besonders bei Kindern! Also
viel Trinken. Tee (ohne Zucker), dazu Zwieback und Salzstangen. In der Apotheke
gibt es für massive Durchfälle fertige Zucker-Elektrolyt-Lösungen.
Liebe Leserinnen und liebe Leser, bitte denken Sie immer daran:
keine noch so gute Behandlung mit Medikamenten kann eine gesunde Ernährung
ersetzen. Richtige Ernährung zusammen mit geeigneter Bewegung bildet
die Grundlage für den optimalen Behandlungserfolg. Ihr gesamter Körper
wird es Ihnen danken! Ihr Herz und Kreislauf, Ihre Lunge, Ihre Gelenke, Ihr
Darm.
Für Ihre Gesundheit alles Gute
wünscht Ihnen Ihr
Wolfgang Woynar

10 Regeln der Deutsche Gesellschaft für Ernährung:
Essen Sie vielseitig!
Essen Sie mehrmals am Tag Getreideprodukte und reichlich Kartoffeln!
Essen Sie 5 Portionen Gemüse und Obst täglich!
Trinken/essen Sie täglich Milch- und Milchprodukte und einmal pro Woche Fisch! Fleisch, Wurst sowie Eier nur in Maßen genießen!
Meiden Sie Fett und fettreiche Lebensmittel!
Verwenden Sie Zucker und Salz in Maßen!
Trinken Sie mindestens 1,5 Liter pro Tag!
Bereiten sie ihre Speisen schmackhaft und schonend zu!
Nehmen Sie sich Zeit zum Essen und genießen es!
Achten Sie auf Ihr Gewicht und bleiben sie in Bewegung!
Warum ist S P A R G E L eigentlich so gesund?
Endlich gibt es wieder Spargel auf dem Wochenmarkt und direkt beim Erzeuger im niedersächsischen Umland. Für mich gehört die Fahrt zum Spargelbauern nach Kührstedt zu den Glanzlichtern in der jetzigen Jahreszeit. Gönnen Sie sich etwas Besonderes: Spargel verführt zum kalorienarmen Schlemmen.
Was aber macht Spargel so gesund?
Der „König des Gemüses“ schmeckt nicht nur gut, er hält
auch fit. Sogar als Aphrodisiakum soll sich der Spargel angeblich eignen –
der wissenschaftliche Nachweis hierfür fehlt allerdings. Das Gourmet-Gemüse
besteht zwar zu 94 Prozent aus Wasser, aber der Rest hat es in sich! Die Stangen
haben wertvolle Inhaltsstoffe zu bieten:
• Kaliumsalze, Asparaginsäure und ätherische Öle fördern
die Nierentätigkeit und tragen damit zur Entwässerung bei.
• Vitamine des B-Komplexes, z. B. Vitamin B1 und B2 unterstützen
die Funktion des Nervensystems und wirken Müdigkeit und Konzentrationsstörungen
entgegen.
• Die Folsäure, die Spargel in hoher Konzentration aufweist, ist
an vielen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt.
• Vitamin C und E fangen aggressive, zellschädigende Substanzen
ein, die sich im Stoffwechsel bilden oder von außen in den Körper
gelangen.
• Betakarotin, die Vorstufe des Vitamin A ist ebenfalls ein Radikalfänger,
der aggressive zellschädigende Moleküle entschärft.
• Neben einem hohen Gehalt an Magnesium, Kalium, Calcium, Kupfer und
Natrium weist Spargel auch sogenannte bioaktive Substanzen auf, denen eine
krebshemmende Wirkung zugeschrieben wird.
Na dann: Guten Appetit für Ihre Gesundheit!
Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin
woynar@hausarzt-bremerhaven.de
