
Liebe Leserinnen und Leser,
Fitness ist etwas Gutes, gar keine Frage. Diese Einsicht beschleicht uns nie stärker, als wenn uns wieder einmal Rückenschmerzen plagen. Dann sind wir finster entschlossen, bei Beschwerdefreiheit sofort mit Gymnastik zu beginnen. Meist verflüchtigen sich die Vorsätze zusammen mit den Schmerzen.
Jeder Dritte hat Rückenschmerzen. Eine Volkskrankheit.
Jedem einzelnen fällt es schwer, seine chronische Erkrankung zu akzeptieren,
ganz gleich, ob es sich um einen degenerativen Wirbelsäulenschaden handelt
oder um die Folgen nach einer Bandscheibenoperation. Unbestreitbar ist, dass
chronische Erkrankungen unsere Volkswirtschaft erheblich belasten.
In einer Studie der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz- und Arbeitsmedizin
über die Arbeit am Bildschirm klagten fast 80 Prozent der Befragten über
Beschwerden während oder nach der Arbeit, vor allem über Rückenschmerzen,
Verspannungen in Nacken und Schultern, über Augenbeschwerden und Kopfweh.
Häufig ein Grund für Arbeitsunfähigkeit.
Bei sitzender Arbeitsweise verdoppelt sich zudem das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten.
Es gibt also viele Gründe, Vorsorge für seine Gesundheit zu betreiben.
Der Aufwand für die „Prävention“ für die eigene
Gesundheit kann niemals zu groß sein.
Warum fällt es so schwer, das zu tun, was uns gut tut, zumal es nicht
eben schwer zu praktizieren ist? Ironie des Problems: am ehesten kümmern
wir darum, wenn es etwas kostet. Denn niemand ist gern der Idiot, der für
etwas bezahlt, was er nicht nutzt. So gesehen sind finanzielle Eigenleistungen
gut angelegt.
Unsere Großeltern, die hatten ihre Rückenschmerzen nicht vom Stillsitzen.
An so etwas „Bescheuertem“ wie einem Laufband hätten die
ihre Energie nicht verschleudert. Die waren froh, wenn sie nach Feierabend
noch ein wenig vor dem Haus sitzen und in die Abendsonne schauen konnten.
Aber statt zu versuchen, dem gesunden Geist einen gesunden Körper beizugesellen,
benutzen wir unseren Körper immer noch weniger. Wir schonen ihn, bis
er rostet.
Jede starre Haltung ist schlecht. Nicht, dass man das Problem nicht erkannt
hätte: Mit Merkblättern, Zeitungsartikeln und Forschungsberichten
könnte man halb Europa einen Winter lang heizen.
Was aber leistet die Medizin?
Medizin muss endlich auf die banale Erkenntnis reagieren: häufige Krankheiten
sind häufig - seltene dagegen selten. Viele Patienten begeben sich auf
die Suche nach dem „richtigen“ Arzt. Für manche Patienten
steht die Frage im Vordergrund: „Wohin kann ich noch gehen?“ Und
dann begeben sie sich auf Wanderschaft. Ob Orthopäde, Neurologe, Schmerztherapeut,
ob Radiologe, Angiologe oder Heilpraktiker, mancher Patient kennt sie alle.
Mancher Patient hat sie alle abgeklappert. Allzu häufig kreißt
dann der Berg der (Differential-)Diagnostik und gebiert nicht selten eine
Maus an Therapie. Der Patient kreist durch die medizinischen Fachgebiete mit
dem kargen Ergebnis: Diagnosen, aber kein Nutzen für die Gesundheit.
Die Kernfrage muss lauten: „Wie lösen wir die Gesundheitsprobleme der Zivilisationskrankheiten?“ Auf dem Weg zu diesem Ziel lautet die Frage: „Wie soll medizinisch effektiv gehandelt werden?“
Ist Akutmedizin eher komfortabel, die Behandlung chronischer Erkrankungen
aber eher miserabel, wie nicht wenige Experten behaupten?
Chronische Krankheiten behandeln, das heißt für den Betroffenen
und seinen Hausarzt, „sich lebenslang bemühen“. Das verlangt
Kooperation, Vertrauen und Steherqualitäten. Die Behandlung von Rückenschmerzen
verlangen anderes Handwerkszeug, andere Instrumente als Akutmedizin. Aufklärung
der medizinischen und psychologischen Zusammenhänge sowie intensive Schulungen
sind dringend notwendig. Qualifizierte Fitness- Center leisten dabei wertvolle
Dienste.
Mediziner sprechen viel über „Evidence based medicine“. Was mir zuweilen fehlt ist eine „Intelligenz basierte Medizin“. Patientenprobleme lösen heißt nicht, primär Diagnostik um der Diagnostik willen zu treiben, sondern Problemlösungen zusammen mit dem Patienten erarbeiten - eine therapieorientierte Zusammenarbeit von Patient und Hausarzt.
Dabei gelten 3 Prinzipien:
Soviel Vorsorge und Selbstverantwortung des Betroffenen wie möglich bei
chronischen Erkrankungen,
Soviel hausärztliche Versorgung wie möglich, bevor teuere Leistungen
in Anspruch genommen werden,
Soviel ambulante Versorgung wie möglich, bevor stationäre Leistungen
erbracht werden.
Bekanntlich ist Diagnostik ein einträgliches Geschäft. Therapie
dagegen bedeutet häufig einen immensen persönlichen Aufwand von
Patient und Arzt.
Ob gesund oder krank, keiner kommt an der Erkenntnis vorbei:
Wenn du dich nicht bewegst, bewege ich dich.
Für Ihre Gesundheit alles Gute,
wünscht Ihr wolfgang woynar

Volkskrankheit Osteoporose
Über zweihundert Knochen stützen unseren Körper. Zum Beispiel
die Röhrenknochen an Armen und Beinen. Aber es gibt auch Knochen, die
wie Schwämme arbeiten: unsere Wirbelkörper. Knochen ermöglichen
Bewegung und schützen unsere Organe. Und sie speichern Mineralien, wie
Calcium, Phosphor, Magnesium.
Normalerweise halten sich Knochenaufbau und Knochenabbau die Waage. Es gilt das Gesetz: Belastung bedeutet Knochenaufbau und Minderbelastung hat Knochenabbau zur Folge.
Ungesunde, calcium- und vitaminarme Ernährung, mangelnde Bewegung und Medikamente (z. B. Cortison) erhöhen den Knochenabbau. Die Folge: poröse, brüchige Knochen. Bei Osteoporose verlieren Knochen ihre Widerstandskraft und Elastizität. Das Fraktur-Risiko steigt. Das betrifft mehr Frauen als Männer: im Verhältnis 80% zu 20%. Denn Frauen bauen weniger Spitzenknochenmasse auf. Zudem wird der Knochenabbau durch Wechseljahre (Östrogenmangel) beschleunigt. Da Frauen im Durchschnitt älter als Männer werden, resultiert ein größeres Frakturrisiko im hohen Alter.
Typische Symptome der fortgeschrittenen Osteoporose sind diffuser Rückenschmerz und Steifigkeit, klopfschmerzhafte Wirbel, gebeugte Haltung (Rundrücken, „Witwenbuckel“) und Abnahme der Körpergröße (> 4cm).
Frühzeitig vorbeugen können wir durch regelmäßige körperliche Belastung, knochengesunde Ernährung, speziell zusätzliche Calcium- und Vitamin D-Einnahme. Calcium ist der wichtigste Baustoff für Knochen und Zähne. Der tägliche Calciumbedarf liegt insbesondere für Heranwachsende und Senioren etwa beim 2-3fachen der tatsächlichen täglichen Calciumzufuhr von nur 500mg! Vitamin D macht Calcium den Weg frei! Es hat eine Schlüsselfunktion bei der Aufnahme und Einlagerung von Calcium in die Knochen.
Knochengesund ernähren Sie sich mit
Viel Calcium: Milchprodukte, Käse, Grünkohl, Brokkoli, calciumreiches
Mineralwasser
Viel Vitamin D: fetthaltiger Seefisch, Eigelb und Pilze
Allgemeine Grundregeln: Abwechslungsreiche Mischkost, fettarme Nahrungsmittel,
ballaststoffreiche Vollkornprodukte, viel frisches Gemüse und Obst, öfter
kleine Mahlzeiten, wenig Süßigkeiten, reichlich Flüssigkeitszufuhr
(wenig Alkohol).
Die medizinischen Behandlungsziele für eine erfolgreiche Osteoporosetherapie
lauten: Knochenmasse erhalten oder den Abbau vermindern, Schmerzen lindern
und das Frakturrisiko senken.
Dr. med. Wolfgang Woynar
FA für Allgemeinmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de
Tipps für richtige Haltung und Bewegung
Wir haben es selbst in der Hand, mit stabilen Knochen alt zu werden.
1. Bei der Hausarbeit: Arbeiten Sie möglichst körpernah
und aufrecht und wechseln Sie das Standbein (z. B. beim Staubsaugen, Bügeln)
Stützen Sie sich ab (z. B. beim Spülmaschine Ein- und Ausräumen).Gehen
Sie beim Bücken in die Hocke.
2. Beim Heben und Tragen:
Zum Aufheben in die Hocke gehen, (mit geraden Rücken!), Lasten verteilen
und dicht am Körper tragen
3. Beseitigen Sie Stolperfallen im Haus, um Sturzgefahr zu
vermeiden
Haben Sie gut vorgebeugt?
1. Teppiche fest verlegt
2. Türdurchgänge ohne Schwellen
3. Kabel gut verlegt
4. Rutschsicherer Treppenbelag
5. Griffsicheres Treppengeländer
6. Haltegriffe im Bad (Wanne, Dusche, Toilette),
7. Rutschfeste Matte in und vor der Badewanne
8. Gute, helle Beleuchtung
9. Frei zugängliches Bett
10. Flache, rutschfeste Schuhe
11. Sitzmöbel mit genügend Halt beim Aufstehen
12. Hindernisse aus dem Weg räumen
13. Regelmäßig Seh- und Hörvermögen überprüfen
lassen
Wussten Sie, dass...
1. Unsere Knochen erst mit ca. 30 Jahren fertig gebaut sind
und danach der Knochenabbau bereits beginnt
2. Jede 3. Frau und jeder 10. Mann ab 50 in Deutschland von
Osteoporose betroffen sind
3. Die Weltgesundheitsorganisation die Osteoporose zu den
zehn weltweit wichtigsten Krankheiten zählt
4. Deutschland mit jährlich 150.000 Oberschenkelhalsbrüchen
um das 40fache vor armen Ländern wie Thailand liegt
5. Sie mit bewusster Ernährung und Bewegung die Osteoporose
gezielt vermeiden können
Wer berät, wer hilft weiter? Ihr Hausarzt oder Orthopäde
Dr. med. Wolfgang Woynar
FA Allgemeinmedizin- Sportmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de
woynar@hausarzt-bremerhaven.de
Was ist eigentlich Rheuma?
Im Bewusstsein der Bevölkerung ist der Begriff “Rheuma“ verbunden mit Schmerz, Entzündung, Schwellung. Spontan denkt man an Verdickung und Verformung von Gelenken, an beginnende Versteifung mit zunehmender Tendenz. Medizinisch aber ist "Rheuma" keine Diagnose im engeren Sinne. Rheuma ist auch keine einheitliche Krankheit.
In der ärztlichen Praxis treten Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises
in vielfältiger Weise in Erscheinung:
1. Sehr häufig als degenerativer Rheumatismus (Alterung und
„Verschleiß“). In Form der Arthrose denkbar an über
200 Einzelknochen, ganz gleich ob großes und kleines Gelenk. Im Bereich
der Wirbelsäule wohlbekannt als Bandscheibenleiden.
2. Der entzündliche Rheumatismus zeigt sich bei der rheumatoiden Arthritis, dem Morbus Bechterew, der Polymyalgie und den Bindegewebsentzündungen (Kollagenosen).
3. Weichteilrheumatismus tritt auf in lokalisierten Formen, z.B. Tennisellenbogen und in generalisierter Form auf (Fibromyalgie-Syndrom).
4. Stoffwechselstörungen wie die Gicht (Überschuss an Harnsäure) und Osteoporose (Knochenschwund) fallen ebenfalls unter den Sammelbegriff „Rheuma“.
Auch heute noch, im Zeitalter der modernen Hightech-Medizin, werden rheumatische
Erkrankungen durch Befragung und Untersuchung festgestellt, meistens anhand
der geschilderten Symptome und einer eingehenden körperlichen Untersuchung.
Für viele überraschend ist die Erkenntnis, dass die Diagnose „Rheuma“
in der Regel nicht durch „Laborwerte“ oder durch bildgebende Verfahren
(Röntgen) gefunden wird.
Etwa 80% der Diagnosen werden durch Befragen und Untersuchen gestellt, zumindest
mit hoher Sicherheit vermutet. Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren
dienen der Bestätigung des Verdachtes und dem Ausschluss anderer Krankheiten.
An erster Stelle jeder Rheumadiagnostik steht das, was man als Arzt hört
und sieht. Alle weiteren Untersuchungen sind Hilfsbefunde, die nach rationaler
Entscheidung ausgewählt werden.
Schmerz ist das Hauptsymptom rheumatischer Erkrankungen. Eine genaue Schmerzanamnese
kann die ersten Hinweise auf die Art der Erkrankung liefern. Zum Beispiel
deuten großflächige, fließende Schmerzen, die sich je nach
Wetter oder auch durch psychische Faktoren ändern, auf „Weichteil-Rheumatismus“
hin. Beschwerden, die eher außerhalb der Gelenke lokalisiert sind, können
eine generalisierte „Insertions-Tendopathie“ bedeuten. Ein Start-
und Belastungsschmerz ist für die Frühphase von „Arthrose-Schüben“
typisch, ein massiver Spontan- und Dauerschmerz für die „akute
Arthritis“. Bei der „chronischen Polyarthritis“ wird der
Schmerz als morgendlich betontes, höchst unangenehmes Gefühl erlebt.
Der „Nerven-Kompressionsschmerz“ dagegen ist äußerst
quälend für den Patienten und strahlt auf die entsprechende Umgebung
aus. Hinter furchtbaren, den ganzen Körper ergreifenden Schmerzen („überall“)
können eine „Fibromyalgie“, nicht selten aber auch „psychogene“
Faktoren stehen.
Die Rheuma-Anamnese beinhaltet zusätzlich eine Sozial und Berufsanamnese.
Die erste Verdachtsdiagnose wird durch die klinische Untersuchung weiter eingegrenzt.
Es gilt, sich einen Überblick über Ausbreitung und Aktivität
der Erkrankung zu verschaffen. Alle Gelenke werden im Einzelnen beurteilt.
Diese Funktionsprüfung ist auch für die spätere Verlaufskontrolle
unerlässlich.
Mediziner stellen das Ausmaß eines Rheumaschadens mit bildgebenden Verfahren
fest. Der so festgestellte Schweregrad des Schadens ist jedoch – so
lehrt die ärztliche Erfahrung - nicht gleichzusetzen mit dem Ausmaß
des Leidens und der Behinderung. Schmerz ist immer subjektiv und kann nicht
fotografiert werden.
Die häufig überbewerteten „Laborparameter“ erlauben
eine Trennung zwischen entzündlichen und nicht entzündlichen rheumatischen
Erkrankungen. Laborwerte können die Erstdiagnose bestätigen, laborchemische
Werte helfen die Aktivität einer rheumatischen Erkrankung und den Therapieverlauf
zu beurteilen. Es gilt, eine Organbeteiligung so frühzeitig wie möglich
zu erkennen.
Die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) ist in der Rheumatologie immer noch
ein unerlässlicher Wert. Er gibt häufig den ersten und einzigen
Hinweis auf eine rheumatische Erkrankung und wird bei Patienten mit chronischer
Polyarthritis als wichtigster Aktivitätsparameter verwendet. Sein Nachteil
liegt in seiner Trägheit; er hinkt dem Krankheitsgeschehen 2–3
Tage nach und braucht 1–2 Wochen, um wieder auf den Normalwert abzusinken.
Schneller reagiert das Protein (CRP). Es steigt 4–6 Stunden danach an,
erreicht sein Maximum nach 20–24 Stunden und fällt mit einer Halbwertszeit
von nicht ganz einem Tag wieder ab. Die Höhe des CRP- Spiegels korreliert
sehr gut mit dem Ausmaß des Gewebeschadens, ist jedoch ein unspezifischer
Wert.
Das Blutbild gehört ebenfalls zum Standardprogramm der rheumatologischen
Diagnostik. Charakteristischerweise bietet sich das Bild einer Anämie
mit Leukozytose und Thrombozytose. Im Muster der Elektrophorese erkennt man
ein niedriges Albumin, während die Globuline und Immunglobuline ansteigen.
Die Albuminkonzentration nimmt allerdings auch bei Gesunden mit höherem
Alter ab. Ein erhöhter Harnsäurespiegel weist lediglich auf das
Risiko einer Gichtarthritis hin, ist allein aber kein Beweis für die
Erkrankung.
Rheumafaktoren sollte man kritisch betrachten. Der Rheumafaktor gilt als Indikator
für eine chronische Polyarthritis. Bei vielen Patienten mit gesicherter
Diagnose ist er aber unauffällig oder falsch positiv. Dies trifft zu
bei fast einem Viertel aller älteren Menschen, bei Kindern, die ihre
erste Kinderkrankheit durchmachen, sowie bei Lungenkrankheiten und Virusinfekten
zu.
Eine wichtige Tatsache zum Schluss: Die zahlenmäßig häufigste
rheumatische Erkrankung ist die Arthrose, und für deren Diagnose braucht
Ihr Arzt kein Labor.
Dr. med. Wolfgang Woynar
Arzt für Allgemeinmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de
