
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
Menschen mit „Rückgrat“ werden wegen eben dieser eher selten anzutreffenden Tugend in Beruf und Privatbereich zu Recht geschätzt. Das gilt aktuell auch für Politiker in Wahlkampfzeiten. Betrachtet man das gesundheitspolitische Gewürge der beiden großen Volksparteien vor den anstehenden Bundestagswahlen könnte man jegliche Hoffnung auf wirksame Strukturreformen begraben und damit auch die Aussicht auf dauerhafte ökonomische Stabilisierung der sozialen Sicherungssystem. Ja, wenn …, wir alle, liebe Leserinnen und liebe Leser, unsere Eigenverantwortung abschieben auf „die da oben“, also Staat, Krankenkassen, Ärzte oder medizinische Institute. Denn unser vermeintliches Recht auf Gesundheit, Fitness und Luxusmedizin können wir nicht mit der Chipkarte einfordern, ohne selbst einen eigenen Beitrag für unser körperliches und seelisches Wohlergehen zu leisten.
Ein „gesunder Rücken“ ist bekanntermaßen ein unschätzbares Kapital. Rückenschmerzen kennt fast jeder von uns. Darüber gibt es massenhaft Statistiken. Die volkswirtschaftlichen Folgekosten werden in Deutschland auf etwa 25 Milliarden Euro beziffert.
Ist der „Rückenmarkt“ ein gesunder Markt? Werden die Erwartungen der Patienten oder Kunden erfüllt oder gar übertroffen? Oder entwickeln wir eine Leidenskultur, bei der die eine Hälfte der Menschen davon lebt, dass die andere kränkelt.
Die Stationen der Leidenswege von chronisch Kranken ähneln sich immer wieder eindrucksvoll: Bandscheibenvorfall L5/S1 hatte der Orthopäde mit sorgenvoller Miene gesagt, als er die Röntgen -Aufnahmen Betrachtete. Es folgten: Spritzen und gymnastische Übungen. Noch mehr Schmerzen. Sowie weitere Spritzen. Ein anderer Arzt. Und noch einer. Der vierte sagte: „Können Sie schwimmen? Dann gehen Sie!“ Der fünfte sagte: „Gehen Sie ins Fitness- Studio!“
„Nichts gegen die Geräte, aber sind die oft nur für Gesunde?“,
fragen Kritiker. Menschen in Turnhosen schreiten schweigend von einer Maschine
zur nächsten, machen Übungen, tragen in Karteikarten ein, was sie
getan haben. Man sagt Ihnen, Sie sollen das Gesäß anspannen und
die Beine nach hinten wegdrücken. „Gaaanz laaangsam“. Das
machen Sie acht- bis zwölfmal.
Dann die nächste Station. Sie schnallen sich auf dem Sitz einer Maschine
fest, klappen zwei Polster gegen die Innenseiten ihrer Knie und drücken
mit dem Oberkörper gegen die Hebel, die über ihrer Schulter angebracht
sind. Langsam einrollen, nach vorn kommen. Acht- bis zwölfmal. Und so
weiter…
Nur zum Spaß machen das die Wenigsten. Sie versprechen sich effiziente Maßnahmen: zwei- bis zweimal pro Woche eine halbe Stunde. Nach dem Motto Ein starker Rücken kennt keinen Schmerz.
Einhellige Meinung aller Experten ist: Wollen wir dem Schmerz entrinnen, müssen wir unsere erschlafften Muskeln aufbauen. Das ist der entscheidende Punkt! Falls wir nicht können oder wollen, steht ein Heer von Helfern bereit. Matratzenhersteller, Sitzmöbelbauer, Mediziner, Geistheiler. Was haben sie sich nicht alles ausgedacht! Magnetische Bandagen, Dinkelkissen oder den elektrisch massierenden Chefsessel. Alles zu unserem Wohl.
Nichts gegen die Geräte. Fitness-Studios sind für Gesunde und chronisch
Kranke.
In Wartezimmer der Hausärzte und Orthopäden drängen sich die
Leute mit Schmerzen in der Wirbelsäule. Rücken, Schulter, Knie.
Die Erfahrung bestätigt die Statistik: Bei vier von fünf Rückenpatienten
gibt es keinen klaren Befund. Dementsprechend unübersichtlich ist das
Therapieangebot
Schmerz ist nicht messbar oder beweisbar. Man spürt ihn eben unmittelbar. Wie den Ärger am Arbeitsplatz oder daheim.
Spritze, eventuell Akupunktur, sechsmal Krankengymnastik, sechsmal Fango – das gesetzliche Standardprogramm. Die Patienten? Sie bevorzugen „Wohlfühlleistungen“, manche wollen partout Massagen, obwohl das in ihrem Fall nichts bringt. Aber sie glauben, sie haben dafür bezahlt. Also boxen sie das notfalls selbst bei ihrer Krankenkasse durch.
Es ist schwer, jemandem mit Rückenschmerzen zu vermitteln, dass er den Rest seines Lebens trainieren soll. Appelle an die Eigenverantwortung verhallen meist. Übergewichtigen Rückenschmerzpatienten sei empfohlen, mit zwei Hanteln à zehn Kilo durch den Stadtpark zu laufen, um zu spüren, wie sie Bewegungsapparat und Herz-Kreislaufsystem langfristig zusätzlich belasten.
Manche Ärzte nennen Rückenschmerz die gesunde Reaktion des Körpers auf eine kranke Leistungsgesellschaft. Manche Patienten sind regelrecht erleichtert, wenn ein Bandscheibenvorfall bei ihnen festgestellt wurde. Die Diagnose dient als Legitimation. Dann haben sie wenigstens eine Erklärung für ihre Schmerzen.
Die Diagnose „Bandscheibenvorfall“ gibt Halt. Früher galt
er als sicherer Weg in die Berufsunfähigkeit und Frührente. Heute
ist das nahezu aussichtslos.
Natürlich gibt es die dramatischen Fälle, die unters Messer kommen,
in Deutschland immerhin 100.000 pro Jahr.
Aber eben längst nicht alle. Franziska van Almsick soll nach einem Bandscheibenvorfall
Weltrekorde geschwommen haben. Die meisten Männer sind eher bereit, ein
paar tausend Euro in ihr Auto zu stecken als in ihre Gesundheit.
Für Ihre Gesundheit alles Gute
wünscht Ihnen Ihr Wolfgang Woynar
„Kreuzschmerzen in der ärztlichen Praxis
Das Thema des heutigen GESUNDHEITS-FORUM sind akute oder wiederkehrenden
Schmerzen im unteren Bereich des Rückens. Ich möchte Ihnen helfen
Ursachen, Beschwerden, Untersuchungen und Behandlungsmöglichkeiten besser
zu verstehen. Zudem möchte ich Ihr eigenes Engagement stärken: denn
es gibt einiges, was Sie selber tun können um schneller wieder gesund
zu werden und weiteren Beschwerden vorzubeugen! Das alles kann das Gespräch
mit Ihrem Arzt möglicherweise ergänzen, aber nicht ersetzen.
Starke Schmerzen sind nicht nur unangenehm, sondern auch beunruhigend. Man
möchte wissen, was „dahinter steckt“ und vermutet, dass es
sich um eine gefährliche Erkrankung handeln könnte. Glücklicherweise
ist dies bei Rückenschmerzen nur sehr selten der Fall. Rückenschmerz
bedeutet nicht automatisch Rückenschaden! Vertrauen Sie darauf, dass
Ihr Rücken wieder fit werden kann. Die wichtigste Regel: Werden Sie aktiv!
Denn Bewegung stärkt Ihren Rücken, verkürzt die Schmerzattacken
und verringert das Risiko für ein Wiederauftreten der Beschwerden.
Was ist mit Rückenschmerzen gemeint? „Lumbago“, „Hexenschuß“,
„Ischias“, „Ich habe es im Kreuz“ oder „Bandscheibenprobleme“,
das alles sind Begriffe, die das gleiche meinen: Schmerzen im unteren Teil
des Rückens. Sie setzen meistens plötzlich ein und halten selten
länger als 6 Wochen an. In den meisten Fällen verschwinden diese
unkomplizierten, ungefährlichen Rückenschmerzen nach einigen Tagen
wie von selbst.
Beschränken sich die Schmerzen auf den unteren Rücken, ohne ins
Bein auszustrahlen, nennt Ihr behandelnder Arzt das z.B. Lumbago, Lendenwirbelsäulen
(LWS) -Syndrom, idiopathische (unklare) oder unspezifische (keiner bestimmten
Ursache zuzuordnende) Rückenschmerzen. Strahlen die Schmerzen bis in
das Bein aus, spricht Ihr Arzt von (Lumbo-) Ischialgie, da hier meist der
Ischiasnerv beteiligt ist.
Wie häufig sind Rückenschmerzen?
Rückenschmerzen sind häufig: drei von vier Deutschen leiden mindestens
einmal im Leben daran. Rückenschmerzen sind mit einem Anteil von 5-10%
die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeiten (Krankschreibungen).
Die einzelnen Wirbelsäulenabschnitte werden unterschiedlich stark belastet.
Deswegen sind Sie auch unterschiedlich häufig von Beschwerden betroffen:
die Lendenwirbelsäule zu 62% (=Kreuzschmerzen), die Brustwirbelsäule
zu 2% und die Halswirbelsäule zu 36%.
Warum bekommen manche Menschen immer wieder Rückenschmerzen?
Man unterscheidet zwischen akuten (nicht länger als 6 Wochen andauernden)
und chronischen (länger als 6 Wochen andauernden) Rückenschmerzen.
Die akuten unkomplizierten Rückenschmerzen verschwinden bei den meisten
Patienten nach etwa zwei Wochen wieder. Lediglich einer von zehn Betroffen,
hat nach 6 Wochen noch Beschwerden.
Es kann jedoch passieren, dass Sie nach einigen Wochen, Monaten oder Jahren
erneut Rückenschmerzen bekommen. Genau wie die erste, sind auch alle
folgenden Schmerzattacken unangenehm, aber normalerweise ungefährlich.
Auch wiederkehrende Schmerzen bedeuten nicht, dass Ihr Rücken dauerhaft
geschädigt ist.
Um wiederkehrenden Schmerzattacken vorzubeugen, sollten Sie sich regelmäßig
bewegen. Es ist sinnvoll die gelernten Bewegungsübungen, die Bewegung
im Alltag oder die angefangene Sportart weiterzuführen, wenn es Ihnen
wieder gut geht.
Regelmäßige Bewegung stärkt Ihren Rücken und schützt
vor neuen Schmerzattacken. Rückenschonende Verhaltensweisen bei belastenden
Tätigkeiten sollten Sie auch dann beherzigen, wenn die Rückenschmerzen
wieder verschwunden sind.
Welche Krankheitszeichen sind typisch?
Wie der Name „Kreuzschmerzen“ schon sagt, betreffen die Schmerzen
den unteren Rücken. Sie können sich plötzlich („von der
Hexe geschossen“) oder allmählich entwickeln. Häufig verstärken
sie sich bei bestimmten Bewegungen oder Fehlhaltungen. Oft sind sie so stark,
dass eine schlimme Erkrankung als Ursache vermutet wird, was jedoch nur sehr
selten der Fall ist Manchmal strahlen die Schmerzen bis in das Bein aus.
Sind Rückenschmerzen gefährlich?
Starke Schmerzen sind nicht nur unangenehm, sondern auch beunruhigend. Man
möchte wissen, was „dahinter steckt“ und vermutet, dass es
sich um eine ernsthafte Erkrankung handeln könnte. Glücklicherweise
ist dies bei Rückenschmerzen nur sehr selten der Fall. Neun von zehn
aller akut aufgetretenen Rückenschmerzen verschwinden von selbst wieder.
Nur bei einem von 10 Patienten halten die Schmerzen (chronische Rückenschmerzen)
länger als 6 Wochen ohne Unterbrechung an.
In nur 5 von 1000 Fällen steckt eine ernsthafte Ursache dahinter. Behandlungsbedürftige
Ursachen machen sich fast immer durch bestimmte Warnhinweise bemerkbar. Treten
solche Warnhinweise auf, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen! Plötzlich
zunehmende Schwäche, Taubheitsgefühle, Kribbeln oder sogar Lähmungserscheinungen
der Beine sowie die plötzliche Unfähigkeit, Urin oder Stuhl bei
sich zu halten, sind ernst zu nehmende Warnhinweise! Sie müssen in einem
solchen Fall unbedingt den Arzt aufsuchen.
Beim Arzt: Welche Untersuchungen sind bei Rückenschmerzen
nötig?
Durch eine Befragung und eine körperliche Untersuchung kann Ihr Arzt
gefährliche Ursachen fast immer ausschließen. Meist kann auf eine
Röntgenaufnahme verzichtet werden. Das häufige Röntgen bei
Rückenschmerzen ist eine wesentliche Ursache für die vergleichsweise
hohe Strahlenbelastung in der deutschen Bevölkerung. Es liefert bei Schmerzen,
die erst seit kurzem bestehen, meistens keinen zusätzlichen Nutzen.
Wenn Hinweise für komplizierte Rückenschmerzen bestehen oder nach
4-6 Wochen die Schmerzen noch unverändert oder stärker sind, werden
meist weiterführende Untersuchungsmethoden eingesetzt.
Mögliche Untersuchungsmethoden sind: MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie,
Kernspin-Tomographie), CT (Computer-Tomographie), einfache Röntgenaufnahme
(eher selten nötig).
Bei MRT und CT werden Sie in eine „Röhre“ geschoben. Hier
entsteht durch Magnetfelder (MRT) oder Röntgenstrahlen (CT) im Computer
ein Bild Ihrer Wirbelsäule. Radiologen beurteilen das Bild. Auf dieser
Grundlage kann Ihr Arzt dann gemeinsam mit Ihnen über weitere Maßnahmen
entscheiden.
Wie werden unkomplizierte Rückenschmerzen behandelt?
Die beste Behandlung können Sie durchführen: Bleiben Sie in Bewegung!
• Halten Sie bei Rückenschmerzen nicht länger als 2 Tage Bettruhe.
• Versuchen Sie, Ihre alltäglichen Tätigkeiten möglichst
schnell wieder aufzunehmen. Sie sollten sobald wie möglich wieder so
aktiv sein wie vorher. Wenn Sie noch keinen Sport betreiben, dann nutzen Sie
alltägliche Gelegenheiten um fit zu werden.
• Ihrem körperlichen Zustand angemessenes Gehen, Schwimmen oder
Radfahren trainiert die Muskulatur und stärkt damit Ihren Rücken.
Besprechen Sie im Zweifelsfall mit Ihrem Arzt, welches Belastungsniveau für
Sie das Richtige ist.
Um wieder in Schwung zu kommen, können Sie anfangs ein Schmerzmittel
einnehmen. Lassen Sie sich nicht von Ihrem Schmerz leiten, sondern übernehmen
Sie das Kommando! Stärken Sie Ihren Rücken durch Bewegung und Sport.
Damit Sie: 1. schnell wieder gesund werden und 2. weiteren Beschwerden vorbeugen!
Schmerzmittel: Wenn die Schmerzen sehr stark sind, kann es sinnvoll sein,
ein Schmerzmittel einzunehmen. Es dämpft die Schmerzen und hilft Ihnen
möglichst schnell wieder auf die Beine und in Bewegung zu kommen. Sprechen
Sie mit Ihrem Arzt.. Paracetamol, Aspirin, Diclofenac, Ibuprofen und ähnlich
wirkende Stoffe können zur Linderung von Rückenschmerzen empfohlen
werden. Wenn aus gesundheitlichen Gründen Bedenken gegen diese Medikamente
bestehen, können Muskelrelaxantien (muskelentspannenden Medikamenten)
eingenommen werden. Bedenken Sie, dass auch starke Schmerzmittel nicht immer
absolute Schmerzfreiheit bringen können.
Um größtmögliche Schmerzfreiheit zu erreichen, sollten Sie
das Schmerzmittel regelmäßig einnehmen (Menge und Häufigkeit
laut Beipackzettel), und nicht erst wenn der Schmerz besonders stark geworden
ist. So können Sie aktiv bleiben und eine Verstärkung der Schmerzen
kann in vielen Fällen verhindert werden!
Generell sollen Schmerzmittel und Spritzen akute Schmerzzustände überbrücken
und Ihnen helfen möglichst schnell wieder in Schwung zu kommen. Sie sind
jedoch keine Dauerlösung!
Wärme und Kälte:
Wärme wird von vielen Patienten als angenehm empfunden. Der
einfachste Weg den Rücken warm zu halten, ist winddichte, warme Kleidung.
Wärme tut gut! Ziehen Sie sich entsprechend an! Wärme kann von außen
(Badewanne, Sauna, Heißluft, Kurzwellenbehandlung, feuchtheiße
Wickel, Fango-Packungen, Rotlicht) oder durch durchblutungsfördernde
Maßnahmen (Rheumasalben oder (ABC-) Wärmepflaster) zugeführt
werden. Bei vielen der aufgeführten Maßnahmen kommen beide Wirkprinzipien
zusammen. In der Anfangsphase können möglicherweise auch Kälteanwendungen
gut tun.
Sonstige Maßnahmen:
Die Chirotherapie (Manipulationsbehandlung; manuelle Therapie) ist eine Behandlung,
die nur durch erfahrene Therapeuten erfolgen sollte. Diese Behandlungsmethode
kann bei unkomplizierten Rückenschmerzen, die nicht bis in den Fuß
oder die Zehen ausstrahlen, innerhalb der ersten 6 Wochen durchgeführt
werden. Die Wirksamkeit der Chirotherapie konnte in wissenschaftlichen Studien
nachgewiesen werden. Bedenken Sie aber, dass dies nur ein Teil der Behandlung
sein kann. Der Hauptteil liegt bei Ihnen: bringen Sie Ihren Rücken durch
Bewegung wieder in Form!
Bettruhe und absolute Schonung ist keine geeignete Behandlung für Ihren
Rücken. Wenn eine Bettruhe unumgänglich ist, sollten Sie spätestens
nach zwei Tagen wieder aufstehen und sich bewegen. Ein Schmerzmittel kann
Ihnen helfen, wieder in Schwung zu kommen. Sie sollten nach möglichst
kurzer Zeit genauso aktiv oder aktiver sein, als vor dem Beginn der Schmerzen.
Wenn Sie sich vorher wenig bewegt haben, fangen Sie spätestens jetzt
damit an. Nutzen Sie alltägliche Gelegenheiten, um fit zu werden. Benutzen
Sie die Treppe und nicht den Fahrstuhl, fahren Sie mit dem Fahrrad zur Arbeit,
legen Sie kürzere Strecken zu Fuß und nicht mit dem Auto zurück.
Ihr gestärkter und gesunder Rücken wird es Ihnen danken! Eine längere
Bettruhe bringt auf die Dauer mehr Schaden als Nutzen!
Die Massage ist bei Patienten sehr beliebt. In wissenschaftlichen Studien
konnte jedoch keine dauerhafte Verminderung der Schmerzen durch Massage nachgewiesen
werden. Günstiger als eine passive Behandlung ist Ihr eigenes Bewegungstraining!
Standardisierte Schulungsprogramme (Rückenschule):
Generell ist Bewegung gut für Sie! Ein Schulungsprogramm besteht neben
bestimmten Muskelübungen normalerweise aus Informationen über Aufbau
und Funktion des Rückens und über Belastung des Rückens in
verschiedenen Körperhaltungen. Die besten Ergebnisse wurden mit einem
intensiven Programm von 3-5 Wochen Dauer erreicht. In Studien zeigte sich,
dass selbst aufwendige Programme die Leistungsfähigkeit von Rückenschmerzpatienten
nur in geringem Maße verbessern konnten. Schulungsprogramme, wie sie
zum Beispiel von Krankenkassen angeboten werden, eignen sich eher für
Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, das heißt bei Schmerzen,
die seit über 6 Wochen andauern
Krankengymnastik: Ähnlich wie bei Rückenschulungsprogrammen
wird bei der Krankengymnastik (Bewegungstherapie, Physiotherapie) versucht,
Schäden am Bewegungsapparat durch eingeübte Bewegungen abzuwenden
oder zu mildern. Streckbehandlungen und Spannungsübungen, entspannende
Lagerung und die Einübung normaler und rückenschonender Bewegungsabläufe
gehören dazu. Krankengymnastik ist nur sinnvoll, wenn Sie die Übungen
selbständig weiterführen. Denn auf Ihr dauerhaftes Engagement kommt
es bei der Bekämpfung der Schmerzen und der Stärkung Ihres Rückens
an!
Akupunktur: Die Akupunktur ist eine alte chinesische Behandlungsmethode,
die auf dem philosophischem Konzept basiert, dass jede Krankheit ein Zeichen
des Ungleichgewichts im Körper zwischen den zwei Kräften Yin und
Yang ist. Die Schulmedizin kann den Wirkmechanismus (bisher?) nicht erklären.
In den bisherigen Untersuchungen zur Akupunktur bei Rückenschmerzen konnte
kein Nutzen gezeigt werden. Dies könnte daran liegen, dass die Akupunkturbehandlung
bei uns von sehr unterschiedlicher Qualität ist. Aber: Bei der Akupunktur
verschwanden weder die Beschwerden schneller, noch waren die Patienten schneller
wieder leistungsfähig.
Transkutane elektrische Nerven-Stimulation (TENS) wird auch
als Reizstrombehandlung bezeichnet. Dabei wird mit Hilfe kleiner elektrischer
Ströme versucht, die Muskelverspannungen zu lösen und die Beweglichkeit
zu verbessern. Dies kann in Verbindung mit anderen Maßnahmen, eine Behandlungsmöglichkeit
bei chronischen Rückenschmerzen darstellen.
Verhaltenstherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren.
Mit ihr wird versucht durch Gespräche und Übungen bestimmte Angewohnheiten
und Einstellungen zu beeinflussen. Es gibt die unterschiedlichsten Gründe
für die Entstehung von Rückenschmerzen. Häufig kommen körperliche
Belastung und seelischer Stress zusammen. Diese Methode ist für Patienten
geeignet, die über einen längeren Zeitraum unter Rückenschmerzen
leiden.
Bei der Korsettbehandlung (Lendengurte, Orthesen) wird der Rücken teilweise
„geschient“ und soll dadurch mehr Stabilität erhalten. Dies
soll zu einer Abnahme der Schmerzen führen. Diese Behandlung zeigt bei
langfristiger Anwendung aber einen nachteiligen Effekt, weil die Muskulatur
geschwächt wird. In keinem Fall sollten sie über längere Zeiträume
verordnet werden. Aktive Bewegung ist die bessere Alternative. Kann eine Operation
nicht umgangen werden gibt es drei Möglichkeiten: die klassische Entfernung
der Bandscheibe, also eine offene Operation an der Wirbelsäule, die Entfernung
der Bandscheibe mit mikroskopischen Methoden (endoskopisch) durch einen winzigen
Schnitt an der Wirbelsäule, oder die Auflösung der Bandscheibe durch
chemischer Substanzen, die in die Bandscheibe gespritzt werden.
Was können Sie selber tun?
Auf Ihr Engagement kommt es bei der erfolgreichen Behandlung Ihres Rückens
an! Was Sie tun können? Stärken Sie Ihren Rücken durch Bewegung.
Versuchen Sie, Ihre alltäglichen Tätigkeiten möglichst schnell
wieder aufzunehmen. Sie sollten sobald wie möglich wieder mindestens
so aktiv sein wie vorher. Wenn Sie sich vorher nur wenig bewegt haben, dann
fangen Sie spätestens jetzt damit an!
Nutzen Sie alltägliche Gelegenheiten um Ihren Rücken zu stärken:
• Legen Sie kürzere Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück,
anstatt mit dem Auto.
• Benutzen Sie statt des Fahrstuhls lieber die Treppe.
• Gehen
• Schwimmen und
• Radfahren trainiert die Muskulatur, ohne den Rücken zu belasten.
• Um wieder in Schwung zu kommen, können Sie anfangs ein Schmerzmittel
einnehmen.
Natürlich ist es nötig bei belastenden Tätigkeiten (schweres
Heben und Tragen, langes Sitzen, einseitige Belastung) den Rücken zu
schonen.
• Wenn Sie viel sitzen sollten Sie Ihren Rücken durch regelmäßiges
Zurücklehnen entspannen.
• Vermeiden Sie generell einseitige Belastungen, versuchen Sie das
Gewicht gleichmäßig zu verteilen.
• Verharren Sie nie länger als 30 min. in derselben Position.
• Tragen und heben Sie nicht mit gebeugtem sondern mit geradem Rücken.
• Gehen Sie beim Herunter- und Vorbeugen in die Knie und versuchen
Sie den Rücken möglichst nicht zu beugen.
• Versuchen Sie evtl. vorhandenes Übergewicht los zu werden.
Auch dieses Gewicht belastet Ihren Rücken. Treiben Sie Sport. So können
Sie Ihren Rücken stärken und gleichzeitig abnehmen.
Es gibt Hilfsmittel, um den Schmerz zu bekämpfen und den Rücken
zu entlasten, aber letztlich kommt es auf Ihr Engagement an.
Das ist leichter gesagt als getan. Aber Ihr Einsatz wird durch eine schnellere
Genesung und das Verhindern von neuen Schmerzepisoden belohnt! Bleiben Sie
in Bewegung! Ihr Rücken wird es Ihnen danken. Werden Sie aktiv!
Dr. med. Wolfgang Woynar
FA Allgemeinmedizin- Sportmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de
