
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
der „4. Männer- Gesundheits- Tag Bremerhaven“ im Weser-Forum am 12.02.2005 war - wie bereits im Vorjahr - ein voller Erfolg. Dafür danke ich allen Beteiligten ganz herzlich.
Das Thema des heutigen „GesundheitsForum“ ist planmäßig die Frauengesundheit. Wegen der Gleichberechtigung – und auch, weil es um das befriedigende Zusammenleben der Geschlechter geht.
Männer kommen irgendwann unter Druck wegen ihrer Potenz!
Wegen was kommen Frauen eigentlich unter Druck? Abgesehen von ihrer Figur?
Nach dem weltweiten Erfolg der Potenzpillen für den Mann war unschwer
zu erraten, dass nun auch die weibliche Sexualität erneut zum Gegenstand
dieses Forschungszweiges werden würde. Sind ähnlich erfolgreiche
Therapieansätze auch für die Frau denkbar, und sind sie wünschenswert?
Fakt ist: Erektionsstörungen haben Frauen nicht zu fürchten. Scheidentrockenheit,
zum Beispiel, lässt sich effektiv und preiswert mit wenigen Gramm Estriol-Salbe
behandeln.
Frauen leiden weniger darunter, dass sie nicht mehr können. Allenfalls
darunter, dass sie nicht mehr wollen. Genau hier verspricht sich die Industrie
einen Zukunftsmarkt. Der Verlust oder das Nachlassen der weiblichen Libido
wird als neue, therapiebedürftige Krankheit verstanden und in „wissenschaftlichen“
Publikationen thematisiert. Scheinbar drängend stellt sich die Frage:
Lässt sich das Testosteron-Gel als Mittel gegen weibliche Unlust an die
Frau bringen?
Als Mittel gegen den Testosteronmangel beim alternden Mann war der Verkaufserfolg
eher mäßig. Kritiker mutmaßen, dass eine weitere Krankheit
erfunden werden soll, und dass Pharmafirmen zusammen mit Ärzten normale
Lebensvorgänge pathologisieren, um damit neue, lukrative Märkte
zu erschließen.
Die konkrete Frage lautet: „Ist der Verlust der Libido eine Krankheit?“
Die Antwort lautet: „jein“
Sexualität ist wichtig. Zum Erhalt der Art ist sie unverzichtbar.
Als Schutzfaktor gegen „vitale“ Lebensrisiken oder als Alarmzeichen
für eine (noch) nicht erkannte (schwerwiegende) Erkrankung ist Sex mit
zunehmendem Lebensalter jedoch verzichtbar. Zum Beweis: die höchste Lebenserwartung
in Deutschland haben katholische Priester und Nonnen - und die entsagen (zumeist)
lebenslang der Sexualität.
Bei der psychosozialen Gesundheit spielt Sexualität eine bekannt wichtige
Rolle.
Tatsache aber bleibt: es geht auch ohne Sex. Und es gibt Menschen, die ihn im Alter nicht vermissen und auch nicht das Verlangen danach. So gesehen ist der Verlust der Libido zunächst keine „Krankheit“ im klassischen Sinne.
Nicht wenige Frauen aber erleben Libidoverlust als Belastung. Die Erfahrung
in der ärztlichen Praxis lehrt: Libidoverlust gehört zu denjenigen
Beschwerden, die häufig beklagt werden. Als ein Beleg sei die monatliche
Injektion des Uraltpräparates Gynodian- Depot genannt. Sie erfreut sich
bei Frauen in den Wechseljahren immer noch großer Beliebtheit, diese
beruht aber nicht unwesentlich auf dessen libidosteigernden Wirkung. Die wiederum
ist Folge des DHEA- Bestandteiles, der bei Frauen hauptsächlich androgen
wirkt.
Gleichwohl geht die Streitfrage, ob Libidoverlust eine Krankheit ist –
egal, ob eine erfundene oder tatsächliche – meiner Meinung nach
am Kern des Problems vorbei. Libidoverlust ist auf jeden Fall etwas, das ein
nicht unerheblicher Prozentsatz von Frauen erlebt - und zwar nicht nur in
und nach den Wechseljahren. Jede Frau muss selbst entscheiden, ob sie dies
als so störend empfindet, dass es einer therapeutischen Intervention
bedarf. Die Möglichkeiten der ärztlichen Behandlung bestehen, angefangen
bei der psychosomatischen Intervention bis hin zur Hormon- Ersatzbehandlung.
Ärzte sollten diese Therapie niemandem aufdrängen, der nicht von sich aus danach fragt. Aber Ärzte sollten sie auch niemandem vorenthalten, für den der Verlust seiner Libido ein bedrückendes Problem ist. Ich denke, auf diesen Nenner können sich alle, Patientinnen wie Ärzte, einigen.
Für Ihre Gesundheit alles Gute,
wünscht Ihnen Wolfgang Woynar

Was Frauen über die Hormonersatztherapie wissen sollten
Die nachfolgenden Zeilen vermitteln Ihnen einige wichtige Informationen, die
Sie in Ihrer persönlichen Entscheidung unterstützen, ob für
Sie eine Hormonersatztherapie sinnvoll ist. Die Entscheidung treffen Sie im
gemeinsamen Gespräch mit Ihrem Arzt. Bedenken Sie bitte: auch die Medizin
unterliegt einem ständigen Wandel.
Die Wechseljahre (Klimakterium)
Frauen durchleben zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr die Wechseljahre, auch
Klimakterium genannt. In diesem Zeitraum wird die Bildung der Geschlechtshormone
nach und nach vermindert, bis sie schließlich nahezu vollständig
eingestellt wird. Zunächst kommt es zum Absinken des Gelbkörperhormons
(Progesteron), nachfolgend der Östrogene und abschließend der männlichen
Hormone (Androgene). Die Veränderungen des Hormonhaushaltes führen
bei vielen Frauen zu körperlichen und psychischen Symptomen. Häufig
treten unregelmäßige Blutungen, plötzliche Hitzewallungen,
Schweißausbrüche, Schlafstörungen und
Stimmungsschwankungen auf. Eine Beeinträchtigung des allgemeinen Wohlbefindens,
auch der Sexualität, kann die Folge sein. Dauer und Intensität der
Beschwerden sind unterschiedlich. Viele Frauen leiden unter erheblicher Einschränkung
der Lebensqualität.
Die Wechseljahre sind eine natürliche Phase des weiblichen Lebens und
nicht jede Frau benötigt eine Behandlung. Andererseits können die
Beschwerden derartige Ausmaße annehmen, dass eine Behandlung unumgänglich
wird. In diesem Fall kann durch die Hormonersatztherapie
eine deutliche Besserung erzielt werden.
Was sind Hormone?
Hormone sind lebenswichtige Botenstoffe, e-mails, die in verschiedenen Organen
(Drüsen) des Körpers gebildet werden. Sie sind an vielen Stoffwechselvorgängen
beteiligt und hierfür unerlässlich. Die weiblichen Geschlechtshormone
sind nicht nur für die Fortpflanzung und Schwangerschaft
von grundlegender Bedeutung. Sie stabilisieren die Knochenfestigkeit und haben
positive Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System sowie die Beschaffenheit
von Haut und Schleimhäuten, so auch auf Scheide und Blase. Außerdem
sind Hormone für die Leistung des Gehirns (z.B. Merkfähigkeit, Konzentration),
die Psyche, das allgemeine Wohlbefinden und die Sexualität wichtig.
Wann sollten Hormone in den Wechseljahren eingesetzt werden?
Die Entscheidung zur Behandlung kann nur in Abhängigkeit von Ihren individuellen
Beschwerden getroffen werden.
Vorteile der Hormonersatztherapie
Für folgende Beschwerden in den Wechseljahren stellen Hormone die wirksamste
Behandlung dar:
• Hitzewallungen
• Schweißausbrüche
• Trockenheit der Scheide und damit verbundene Beschwerden
Symptome wie Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen können durch
eine Hormonersatztherapie gebessert werden. Das Risiko, an einem Dickdarmkrebs
zu erkranken, wird bei Frauen, die eine Hormontherapie mit Östrogenen
und Gelbkörperhormonen erhalten, gesenkt. Die Hormonersatztherapie verbessert
die Knochenfestigkeit und senkt die Häufigkeit von Knochenbrüchen.
Nur wegen der günstigen Wirkung auf die Knochenfestigkeit soll die Hormontherapie
allerdings nur ausnahmsweise nach sorgfältiger individueller Nutzen/Risiko-Abwägung
eingesetzt werden. So kommt eine Hormonbehandlung in Frage, wenn Unverträglichkeiten
oder Kontraindikationen gegenüber anderen Behandlungsmöglichkeiten
bestehen oder wenn ein besonders früher Eintritt der Wechseljahre erfolgt.
Risiken der Hormonersatztherapie
Das Risiko für einige Erkrankungen ist bei Anwendung der Hormonersatztherapie
oder bestimmter Formen der Hormonersatztherapie erhöht. Die Risikosteigerung
ist bei
korrekter Anwendung der Hormontherapie meist gering. Zu diesen Erkrankungen
gehören Blutgerinnungsstörungen mit dem Risiko von Thrombose und
Embolie, Schlaganfall
und möglicherweise in seltenen Fällen auch Herzinfarkt, vermutlich
jedoch nur bei bereits vorbestehendem erhöhtem Risiko und bei Kombination
mit Gelbkörperhormonen.
Auch ein Risiko für Brustkrebs ist nicht auszuschließen, insbesondere
bei mehrjähriger Anwendung einer Östrogen- Gelbkörperhormon-Kombinationstherapie.
Nutzen und Risiken sind für jede Frau unterschiedlich und individuell
zu bewerten.
Die Entscheidung für eine Hormonersatztherapie bzw. deren Fortführung
und Dauer sollten Sie gemeinsam mit dem Arzt Ihres Vertrauens treffen.
Dr. med. Dipl. Psych. Wolfgang Woynar
Arzt für Allgemeinmedizin, Frauenarzt
www.gesundheitsforum-bremerhaven.de
Unfreiwillig kinderlos
Es ist ein Irrtum zu meinen, nur weil man sicher eine Schwangerschaft verhüten kann, könne man dann später auf Knopfdruck schwanger werden. Knapp zehn Prozent aller Paare mit Kinderwunsch bleiben kinderlos. Die Ursachen liegen zu je einem Drittel aller Betroffenen bei der Frau, beim Mann und bei Beiden zusammen.
Als ungewollt kinderlos gilt, wer nach zwei Jahren ungeschütztem Sex an den fruchtbaren Tagen immer noch nicht guter Hoffnung ist. So jedenfalls definiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Infertilität. Viele Frauenärzte hingegen sprechen schon nach einem Jahr von Unfruchtbarkeit. Und bei Frauen über Mitte dreißig sind schon sechs Monate vergeblichen Wartens auf das Ausbleiben der Monatsblutung Grund genug, medizinisch nachzuhelfen.
Was tut ein Paar nicht alles, um eine Familie zu werden. Die gängigen
Methoden: Überwachung des natürlichen Zyklus durch Ultraschall-
und Blutuntersuchungen (Zyklusmonitoring), hormonelle Stimulation der Eierstöcke
(Hormontherapie), Einbringen von Samenflüssigkeit in die Gebärmutter
(Insemination) sowie die klassische und seit zwanzig Jahren praktizierte In-vitro-Fertilisation,
bei der man Eizellen und Samenzellen entnimmt, im Glas zusammenführt
und die Embryonen in die Gebärmutter transferiert.
Und schließlich die erst seit zehn Jahren erprobte ICSI, die intrazytoplasmatische
Spermieninjektion. Bei dieser Methode werden der Frau eine, meist aber mehrere
hormonell stimulierte Eizellen operativ entnommen. In diese Eizellen wird
dann je eine Samenzelle gespritzt. Nach einigen Stunden des Zellteilungsprozesses
werden darauf eine bis höchstens drei der befruchteten Eizellen wieder
in die Frau transferiert. Danach beginnt das lange, vierzehntägige Hoffen
und Bangen bis zum Schwangerschaftstest.
Heidelberger Psychologen haben das Grundmuster nach der Diagnose „Fruchtbarkeitsstörung“
skizziert.
Die erste Antwort ist meist Schock und Verneinung.
Darauf folgen Ärger und Wut. Die können sich gegen den eigenen Körper
richten, der seinen natürlichen Dienst versagt. Oder auch gegen andere
Elternpaare, die sich nicht genügend um ihre Kinder kümmern, sie
sogar misshandeln.
Darauf folgt oft das Gefühl der Ohnmacht.
Nachdem diese Paare sich dann für die medizinische Reproduktionshilfe
entschieden haben, verfallen sie häufig in eine Euphorie.
Da die hochtechnisierte Dreiecksbeziehung bei den Zeugungsversuchen meist
fehleingeschätzt wird und überdies wenig Raum für anderes lässt,
folgt darauf nicht selten die Isolation.
Denn der Erfolg stellt sich allzu selten ein. Die „Baby take home“-
Rate ist nach der Heidelberger Studie mit knapp 10 Prozent pro Behandlungsversuch
ausgesprochen bescheiden. Psychisch bedingte Störungen sind in der Folge
nicht selten.
Die Seele als Ursache der Fertilitätsstörung dagegen ist eher selten.
Die Begründung klingt logisch: wenn die Seele so entscheidend wäre
bei der Reproduktion, dann würden Frauen nicht reihenweise ungewollt
schwanger.
Dr. med. Dipl. Psych. Wolfgang Woynar
Allgemeinmedizin, Frauenarzt
www.gesundheitsforum-bremerhaven.de
