
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
Stress ist zugleich Motor und Risikofaktor unseres Lebens.
„Stress muss sein!“, weil innere Anspannung zusätzliche Energien
freisetzt. Die Folge: wir werden leistungsfähiger und nehmen neue Herausforderungen
an. Ohne diesen positiven Stress würde sich gähnende Langeweile
breit machen. Ohne Stress wäre die Menschheit längst ausgestorben.
Stress im Übermaß dagegen beeinträchtigt langfristig Wohlbefinden,
Leistungsfähigkeit und Lebensfreude. Vertraute Situationen sind voller
Terminkalender, ständig klingelndes Telefon, ständig unaufgeräumtes
Kinderzimmer, besetztes Badezimmer im allmorgendlichen Chaos.
Es sind also zumeist nicht die global wichtigen Ereignisse, sondern der alltägliche
„Sand im Getriebe“, der nervt. Die Symptome sind Ihnen, liebe
Leserinnen und Leser, bekannt: zum Beispiel Herzrasen, Schlafstörungen,
Denkblockaden bei Prüfungsstress oder einem Vorstellungsgespräch.
Es versteht sich, dass Stress nicht immer leistungsfördernd wirkt. Andererseits
erfordern individuelle Höchstleistungen ein gewisses Maß an Stresstoleranz.
Erst wenn wir es über längere Zeitspanne nicht schaffen diese permanente Anspannung abzubauen, d.h. auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, erst dann macht uns der Stress krank. Wenn wir also mit unseren „Bordmitteln“ nicht schaffen, uns selber zu organisieren, unsere Zeit zu managen, Aufgaben zu delegieren – wir also keinen Weg finden, die Daueranspannung abzubauen, dann wird Stress zum Risiko für unsere Gesundheit.
Der zornige Chef, die quengelnden Kinder oder der Feierabendstau lösen nicht unmittelbar Stress aus. Entscheidend ist, wie wir die Situationen für uns persönlich gewichten, wie wir sie individuell bewerten.
Entscheiden Sie sich: „Werde ich gearbeitet…? - …oder arbeite Ich?“ Wer seinem Chef die miese Laune gönnt, wer dem morgendlichen/allabendlichen Verkehrsstau mit seiner Lieblings- CD einen neuen Sinn als willkommene Ruhepause gibt, der geht trotz allem Zeit- und Leistungsdruck – entspannter durchs Leben.
Doch das ist leichter gesagt als getan: Denn wenn das Adrenalin erst unseren Körper durchflutet, ist meist nix mehr mit „ruhig Blut“ und der Entspannung. „Abschalten“ ist allzu häufig unmöglich, geht manchmal gar nicht. Besser in diesen Situationen: umschalten“. Wichtig: Üben Sie, wenn es Ihnen gut geht! In der akuten Stresssituation kann niemand „Ruhe finden“ erlernen, wie z.B. lesen, Musik hören, beten. Gelassenheit müssen wir also üben, und zwar bevor der Ernstfall eingetreten ist.
Geeignet sind Entspannungstechniken oder auch mentale Übungen. Näheres entnehmen Sie bitte meinem Stressbewältigungsprogramm für Selbstanwender: „Gesund trotz Stress“ (Büchlein) und „Stressfrei bei Stress“ (Doppel-CD).
Mentaler Stress, das meint: negative Gedanken – dunkle Wolken, das Gefühl: „das geht schief“ und der ständige Vergleich mit Besseren. Bekanntlich sind Pessimisten diejenigen, die von zwei schlechten Alternativen immer beide wählen. Der Pessimist weiß immer ganz genau, warum es nicht geht.
Besser dagegen sind positive Gedanken: Jeder kann etwas, weswegen man ihn
achten soll. Der Optimist sieht in jeder Schwierigkeit eine Chance.
Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?
Tatsächlich müssen wir erst einmal wahrnehmen, ob und wie sehr wir
gestresst sind. Haben wir bereits körperliche oder seelische Symptome
von Stress? Gerade diese Diagnose fällt nicht immer leicht, denn gelegentliches
Stöhnen über den eigenen Stress gehört ja zum guten Ton.
Stress im Übermaß zeigt sich neben den körperlichen und psychischen
Folgen gerade auch im Verhalten von Menschen:
Zum einen nimmt die Leistungsfähigkeit ab. Die Gründe dafür
sind zunehmende Gereiztheit, Aggressivität, rigides Denken und Handeln
mit der Folge, dass die Kreativität abnimmt.
Zu anderen nimmt die Erholungsmöglichkeit ab, weil der Gestresste sich
aus sozialen Beziehungen zurückzieht, folglich an weniger Freizeitaktivitäten
teilnimmt. Drittens nimmt das Risiko für die Gesundheit zu, weil der
Gestresste häufig unregelmäßig isst, zudem häufig zu
viel, sich wenig bewegt, (mehr) raucht und vielfach falsche "Entspannung"
bei Alkohol und Medikamenten sucht.
DISTRESS ist der "böse Bruder" des "gesunden" EUSTRESS.
Sinnvolle Freizeitgestaltung ist eine aktive Investition in unsere Leistungsfähigkeit
und Gesundheit.
Für Ihre Gesundheit alles Gute
wünscht Ihnen Ihr
Wolfgang Woynar
Mein Stress – Bewältigungsprogramm
Tipps gegen die Hektik ! - Wege zu mehr Gelassenheit
Mein Stressbewältigungsprogramm für Selbstanwender ist aus verschiedenen
Bausteinen zusammengesetzt.
Grundlage und Basis ist das Entspannungstraining, das sich
an die „progressive Muskelrelaxation“ anlehnt. Dabei werden alle
wichtigen Muskelgruppen erst angespannt und dann wieder entspannt. Diese „Progressive
Muskelentspannung“ bildet die Grundlage von mentalen Entspannungsübungen
gegen stressbedingte Leiden wie Migräne oder Spannungskopfschmerz, Bluthochdruck,
allgemeine Angstzustände und Schlaflosigkeit: man löst nicht nur
momentane Verkrampfungen, sondern kann auf längere Sicht lernen, innere
Unruhe und Anspannung leichter und besser zu überwinden.
Hand aufs Herz – wann haben Sie sich das letzte Mal „Zeit für
sich selbst genommen“ und völlig losgelöst nach einer Situation
gesucht, die für Sie ganz persönlich Entspannung schlechthin bedeutet?
Regelmäßiges Üben der Basisentspannung vorausgesetzt, werden
Sie bald in der Lage sein, die „Kurzentspannung mit Ruheszene“
während und nach Belastung zum Auftanken zu nutzen. Die Ruhszene sollte
eine Situation sein – gleich ob konstruiert oder selbst schon erlebt
– in der Sie sich sehr wohl fühlen: Vielleicht liegen Sie auf einer
Wiese. Ein leichter Wind bewegt das Gras ein wenig. Die Sonne scheint und
wärmt Sie angenehm. – Vielleicht befinden Sie sich aber auch am
Meer, das leise rauscht. Sie liegen in den Dünen, lauschen den Möwen
und schmecken das köstliche Salz der See auf Ihren Lippen. Ein mentaler
Ultra-Kurzurlaub, nicht die ganze Wahrheit, aber besser als gar nichts.
Für den Alltag, ob in Beruf oder Familie, von praktischem Nutzen ist
auch die nächste Übung „Kurzentspannung mit persönlichem
Leitsatz“. Um für belastende Situationen noch besser gerüstet
zu sein, können Sie sich einen Gedanken, einen Leitsatz
wählen, der für Sie ganz persönlich bei Ihrem Bemühen
um mehr Gelassenheit hilfreich ist. Er kann Ihnen in Stresssituationen helfen,
Ruhe zu bewahren und erfolgreich zu handeln. Den Gedanken können Sie
auch als Signal benutzen, sich sehr schnell zu entspannen. Fassen Sie diesen
Gedanken in eine kurze Formel, z.B. „Ich bleibe ganz ruhig!“ oder
„Erst nachdenken, dann handeln!“ oder auch „Ich schaffe
es!“
Zum Stressmanagement gehört neben der Entspannung auch das mentale
Training. Man könnte es als „geistiges Trockentraining“
bezeichnen, das bereits erfolgreich von Spitzenkräften in Industrie und
Wirtschaft sowie im Sport angewendet wird, um im entspannten Zustand schwierige
Situationen geistig „auszuprobieren“.
Stress wird häufig durch „negatives Denken“ hervorgerufen
oder verstärkt. Dieser Stress ist gewissermaßen „hausgemacht“.
Negative, stressinduzierende Gedanken stellen eine Last dar, die wir ständig
mit uns herumtragen. Positives denken dagegen erleichtert und beflügelt.
Positive Gedanken erlauben selbst bei Schicksalsschlägen und Niederlagen,
positive Momente der jeweiligen Situation zu erkennen und zu meistern, zumindest
aber besser damit zurechtzukommen.
Häufig sehen wir unter Stress nur eine Möglichkeit
zu handeln, und zwar vor lauter Angst nicht selten die, die schon bisher immer
erfolglos war. Durch Entspannung – muskulär und mental –
werden rigide Denkgewohnheiten aufgehoben, der sogenannte „Tunneleffekt“
vermieden. Indem man neue Handlungsmöglichkeiten vor dem geistigen Auge
ablaufen lässt (wie einen Film, den man kurz stoppen, vorwärts und
rückwärts laufen lassen kann), können Denkbarrieren abgebaut,
verbesserte, kreative Alternativen des Verhaltens erkannt und geistig durchgespielt
werden.
Praktische Anwendung und Ziel aller chronisch Gestressten: eine persönliche
Langzeitperspektive mit neuen Handlungsstrategien, die Aussicht auf mehr Gelassenheit
und Gesundheit geben. Voraussetzung dafür ist die individuelle Suche
nach Informationen zur Bewältigung und, damit verbunden, eine Neubewertung
der aktuellen Situation. Durch solche grundlegenden Neuorientierungen kann
man nach und nach die beliebten Antistressmittel mit Sofortwirkung,
aber mit negativen Langzeitfolgen einschränken, wie Alkohol
und Tabletten zur Beruhigung, Schokolade zur Belohnung, Nikotin, Kaffee etc.
Denn sie alle führen bekanntermaßen langfristig zu Beschwerden
und Krankheiten. Bewegung und Sport bieten dagegen hervorragende Möglichkeiten,
etwas für Entspannung und Ausgeglichenheit zu tun. Auch andere „kompensatorische“
Tätigkeiten im familiären und sozialen Bereich sind sinnvolle Investitionen
in die eigene „geistig-seelische“ Gesundheit.
Zum krönenden Abschluss geht es bei der Königsübung, dem „Zukunfts-Szenario“, um Überlegungen zu Ihrem Lebensstil und zu den Zielen, die direkt oder indirekt in Ihrem Leben verfolgen. Seien Sie nicht erstaunt, wenn Sie feststellen, dass Ihnen manches für viele Lebensbereiche noch unklar ist. Das ist ganz normal, weil wir uns nur selten zeit nehmen, darüber nachzudenken.
Dazu folgendes „Gedankenexperiment“: Versuchen Sie sich vorzustellen,
wie es in Ihrem Leben in etwa acht Jahren aussieht.
• Wie wird es sein, wenn es so weitergeht wie bisher mit Ihrem Stress
und den vielen Belastungen?
• Wie wird Ihr Leben aussehen, wenn Sie es schaffen, Stress zu reduzieren,
wenn Sie gelassen und ausgeglichen sind?
Gewissermaßen als Anregungen zum Weiterdenken folgende Fragen:
• Wie alt bin ich in acht Jahren?
• Wie alt sind die Menschen, mit denen ich zusammenlebe?
• Wo lebe ich? In der gleichen Wohnung, im selben Ort?
• Wie sieht es in acht Jahren aus in beruf oder Haushalt? In der Partnerschaft?
Bei der Kindererziehung? Im Freundes- und Bekanntenkreis? Wie zufrieden bin
ich damit?
• Wie steht es mit meiner Gesundheit? Bin ich krank? Habe ich Beschwerden?
• Wie viel Freizeit habe ich in acht Jahren? Treibe ich Sport, nutze
ich das Entspannungstraining?
Es lohnt sich, darüber nachzudenken, ob der jetzige Lebensstil ad ultimo fortsetzbar ist. Sicherlich nicht – doch was tun Sie, um dorthin zu kommen, wo Sie sein möchten? Überlegen Sie bereits heute einige kleine, erste Schritte, um dieses Ziel zu erreichen! Was könnten Sie in der nächsten Woche tun, um eines dieser Ziele konkret zu erreichen?
Bedenken Sie: Die Welt verändern zu wollen ist sicherlich ein ehrenwertes
Ziel - doch wir tun gut daran, bei uns selbst zu beginnen. Handeln Sie nach
dem Motto: „ Wenn ich nicht selbst bei mir anfange, wer macht es sonst?“
Dr. med. Wolfgang Woynar
FA für Allgemeinmedizin – Sportmedizin
www.gesundheitsforum-bremerhaven.de

Warum sind Lehrer so gestresst?
Na klar: Der Arbeitsbelastungen sind größer geworden. Frühpensionierungen
sind keine Einzelfälle. Stress im Schulalltag gefährdet die Gesundheit.
Lehrern bleibt während der Unterrichtsphasen zu wenig Zeit, um neue Kräfte
zu sammeln, trotz langer Schulferien.
Was aber sind die spezifischen Probleme des Lehrerberufs?
Volle geistige und körperliche Präsenz im Unterricht ist erforderlich,
damit der Unterricht bei den Schülern „ankommt“. Zusätzlich
muss der Unterricht vor- und nachbereitet und entsprechende Arbeitsmaterialien
erstellt werden. Dazu kommen Elternarbeit, Telefonate, die Zusammenarbeit
mit Sozialdiensten. Der Umgang mit schwierigen Kindern, die Auseinandersetzung
mit Problemfamilien, mangelnde Disziplin und verhaltensauffällige Schüler
sind weitere Problembereiche.
Nicht immer sind die Familienstrukturen intakt. Die Kinder wachsen mit weniger
Naturerfahrungen auf. Wichtiger sind ihnen Erfahrungen aus zweiter Hand, wie
Fernsehen, Videos und Computer.
Der Beruf ist schwieriger geworden – auch hinsichtlich der Anforderungen
an den Schuldienst: zu viele Schüler in zu kleinen Räumen, mangelnde
Sprach- und Sozialkompetenz bei Kindern, Bürokratie, Ganztagsschulen
und vieles mehr.
Denn manch fachlich guter Lehrer hält die Belastung nervlich nicht mehr
aus. Einige können die notwenige Souveränität nicht mehr aufbringen,
die erforderlich ist, wenn man vor einer Klasse steht, die ihn persönlich
herausfordert – oder auch persönlich angreift, wie zum Beispiel
durch Flegeleien und Verbalaggressionen. In solchen Situationen müssen
Lehrer es schaffen, sich innerlich zu distanzieren und zugleich müssen
sie sich die Zuneigung der Schüler erhalten und sie ernst nehmen. Diesen
Spagat schafft keiner, der psychisch angeknackst ist. Stress manifestiert
sich dann sowohl in körperlichen und psychischen Leiden. Deshalb beklagen
in der Arztpraxis viele Lehrer psychosomatische Störungen.
In meiner ärztlichen Praxis äußern Lehrer, dass diese Bedingungen
und ein festzustellender Aktionismus seitens der zuständigen Behörde
immensen Druck verursachen. Und dass ihnen die Unterstützung fehlt. Sie
fühlen sich allein gelassen. Sie benötigen dringend Unterstützung
der Eltern im Erziehungs- und Bildungsprozess der Kinder und Jugendlichen.
Aber bei vielen Eltern finden Lehrer kaum Unterstützung. Sie sehen Lehrer
als reine „Dienstleister“ an und kümmern sich zu wenig um
die schulischen Belange ihrer Kinder.
Lehrer allein können die gesellschaftlichen Ansprüche, die an die
„Schule“ gestellt werden, ohne deren aktive Mithilfe nicht erfüllen.
Nachteilig ist es zudem, dass der Lehrerberuf in der Öffentlichkeit nur
geringe Wertschätzung erfährt. Das sind nur einige der Gründe
für das vorzeitige „Ausbrennen“ der Pädagogen.
Es lohnt sich, darüber nachzudenken, die Arbeitsbedingungen der Lehrer
so zu verbessern, dass sie guten Unterricht gestalten können. Das ist
auch zum Vorteil der Schüler.
Dr. med. Wolfgang Woynar
Arzt für Allgemeinmedizin
woynar 'at' hausarzt-bremerhaven.de

Stress im Betrieb
„Gestresst zu sein“ ist irgendwie „in“. Stress gilt
geradezu als Statuszeichen, mit dem man demonstrativ umgeht. Doch Stress und
niemals „Zeit haben“ ist kein Qualitätsmerkmal. Stress ist
oft nur schlechter Umgang mit unseren Möglichkeiten.
Jeder kennt das Phänomen aus eigenem Erleben. Die spannende Frage lautet:
wie bewältige ich meinen Stress im Betrieb?
Das Klischee vom überarbeiteten Manager ist teilweise überholt.
Am häufigsten betroffen sind Arbeiter und Angestellte der mittleren Führungsebene.
Sie haben die „Sandwich-Position“, das heißt: sie haben
den Druck ihrer Vorgesetzten auszuhalten und gleichzeitig die Erwartungen
ihrer „Kunden“ und Mitarbeiter zu erfüllen.
Untersuchungen haben gezeigt, je mehr Entscheidungsfreiheit und Handlungsspielraum
eine Tätigkeit gewährt, desto weniger fühlt sich der Mitarbeiter
gestresst. Das Gefühl, „eingezwängt“ zu sein, die Angst,
„Fehler zu machen“, steigt dort, wo monotone Arbeit verrichtet
wird. Eine Tätigkeit sollte eher „sinnvoll und dynamisch“
sein. Der Angestellte benötigt das Gefühl, „eingebunden, wichtig
und unentbehrlich“ zu sein.
Häufigste Stressfaktoren sind widersprüchliche Arbeitsaufgaben,
wenig Transparenz, Schichtarbeit, unübersichtliche Arbeitsorganisation
sowie geringe Möglichkeiten zur Kommunikation „zwischen den Ebenen“.
Die Psyche reagiere auf die Überforderung mit typischen Warnsignalen:
Probleme beim „Abschalten“/ Entspannen, leichte Reizbarkeit, Antriebsschwäche
oder Motivationsprobleme. Auf körperlicher Ebene macht sich Stress mit
Schlafstörungen, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Problemen, Kopf- und Rückenschmerzen,
nächtlichem Zähneknirschen und chronischer Immunschwäche bemerkbar.
Doch Stress ist nicht nur des Teufels. „Wer rastet, rostet. Wir brauchen
Stress“. Stress kann auch eine Art Motor sein. Ein gewisser Druck befähigt
uns, aktiv zu werden, spornt an und beflügelt. Adrenalin wirkt wie ein
positiver Energiestoß. Dieser ermöglicht uns, Arbeitskraft in konstruktive
Kreativität umzuwandeln. Übertriebener Aktivismus und explosive
Hektik dagegen machen krank.
Warum aber gehen viele Menschen mit ihren persönlichen Ressourcen so
nachlässig um?
Warum lassen sich viele Menschen so schnell unter Druck setzen?
Sie trainieren den richtigen Umgang mit Belastung und Stress nicht richtig.
Sie gehen unreflektiert und unzweckmäßig mit ihren Möglichkeiten
um – und bemerken häufig zu spät, wenn sie in ihren persönlichen
Grenzbereich kommen. Die Stress-Spirale beginnt zu wirken: zunächst schätzen
wir eine Situation als bedrohlich für uns und unsere Existenz ein.
Ein Beispiel: vor einem schwierigen Gespräch oder einer Verhandlung denken
wir oft nur noch an das Risiko, den ungewissen Ausgang. Wir verschwenden Energie
durch unser Grübeln über Zukünftiges. Besser ist es, die Energie
in die Bewältigung der Gegenwart zu investieren.
Wir alle können nur in der Gegenwart handeln.
Und wie kann man dieses Verhalten ändern?
Zuerst sollte man die eigenen Ressourcen analysieren:
Was kann ich wirklich gut? Schätze ich die Anforderungen richtig ein?
Habe ich die geforderten Voraussetzungen? So wie ein Betrieb seine Abläufe
kontrolliert, sollte man das gelegentlich auch bei sich selbst tun. So kommen
wir zu dem Schluss: „Ich kann diese Anforderung bewältigen, wenn
ich mein Bestes zulasse.“ Wir besinnen uns auf die eigenen Stärken.
Viele haben jedoch die Tendenz, sich selbst unter Druck schlecht zu reden.
Dazu kommt gelegentlich der Anspruch, alles perfekt machen zu wollen oder
sich zu viele und zu hohe Ziele zu setzen.
Bei Stress im Berufsleben werden oft die äußeren Umstände
verantwortlich gemacht. Doch die bestimmen unser Handeln nicht letztlich,
sondern unsere Sicht auf sie. Stress entsteht immer im Kopf.
Was ist dagegen zu tun? Schwierige Situationen entspannt zuvor „mental“
einüben: eine geistige Trockenübung.
Im Beruf wie im Privaten. Das fällt vielen Menschen schwer.
Stress entsteht immer im Kopf. Gewohnheiten schleifen sich über die Jahre
ein. Bekanntlich sind sie zäh, sie lassen sich nicht so schnell ändern.
Aber man kann sie durch angemessene und zweckmäßige Gewohnheiten
ersetzen. Das aber setzt Training voraus.
Natürlich unternehmen Betriebe etwas gegen Stress, allerdings wird auch
ziemlich viel Blödsinn gemacht. „Erfolgs-Gurus“ oder einseitige
Motivationskurse erzielen, wenn überhaupt, nur kurzfristige Wirkungen.
Gegen den Verdruss im Job müssen positive Ansätze dagegen gestellt
werden. Vorgesetzte sollen öfter loben und weniger Druck ausüben.
Tätigkeiten sollen reizvoller und „sinnhaltiger“ werden,
betriebliche Abläufe mehr Raum für eigene Entscheidungen, Ideen
und selbstständige Arbeitsschritte lassen.
Dr. med. Wolfgang Woynar
Arzt für Allgemeinmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de

