
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
Sonnentage sind „Leidenstage“ für viele von Ihnen. Allergien haben sich zur Epidemie entwickelt. Wissenschaftler rätseln, warum immer mehr Menschen unter Heuschnupfen, Asthma oder Neurodermitis leiden. Viele Faktoren, angeborene und erworbene, werden angeschuldigt. Beispielsweise steigt das Risiko für Kinder, wenn ein Elternteil unter einer Allergie leidet.
Allergien sind keine banalen, sondern ernst zu nehmende Krankheiten. Und Allergien können jeden treffen. Mein Eindruck in der Hausarztpraxis ist: nicht nur die Beschwerden nehmen stark zu, auch die Leidenszeit verlängert sich von Jahr zu Jahr. Zwar sind Säuglinge und Kleinkinder besonders häufig betroffen. Aber auch ältere Patienten erkranken zunehmend erstmals an Allergien. Eine Allergie verschwindet nur sehr selten „von allein“. Vielmehr kommen oft weitere Allergien hinzu.
Die Symptome manifestieren sich bekanntlich an verschiedenen Organen: Augen, Nasen-Rachen-Raum, Lungen, Haut und Magen-Darm. Da kann es zum Nachteil sein, wenn nur partiell behandelt wird. Das Problem: theoretisch müsste in unserem Gesundheitssystem ein Patient, der an einer Birkenpollenallergie leidet, fünf verschiedene „Gebietsärzte“ konsultieren, je nach Ort der Manifestation. Darauf weist das „Weißbuch Allergie in Deutschland" hin, das den aktuelle Wissensstand zusammenfasst, aktuelle Probleme aufzeigt und konkrete Lösungsvorschläge anbietet.
Ziel der ärztlichen Behandlung bleibt nach wie vor, die akuten Symptome zu lindern. Tränende, juckende Augen, „Schnief“ - Nase und ständiger Niesreiz zählen neben Müdigkeit und Kopfschmerzen dazu. Das ist vorrangig, „wenn richtig kräftig Polle fliegt…“ (Originalzitat eines jungen Patienten in meiner Allgemeinpraxis).
Mittel- und langfristig aber gilt es, den drohenden „Etagenwechsel“ zu verhindern, also dem „Asthma bronchiale“ vorzubeugen. Sonst droht bekanntlich ein Anschwellen der Schleimhäute in Luftwegen und Bronchien und die Gefahr der Kurzatmigkeit und Atemnot. Ein Drittel der Pollenallergiker entwickelt im Laufe seines Lebens ein allergisches Asthma, so die Schätzungen von Experten, die es wissen müssen.
Das bedeutet: Wer rechtzeitig das richtige tut, kann verhindern, dass sich die allergische Reaktion gegen Birke, Roggen, Beifuss & Co. zu Asthma auswächst. Erstes Anzeichen eines „hyperreagiblen Bronchialsystems“ ist leichter, trockener Reizhusten.
Heuschnupfen wird nicht wie gewöhnlicher „Schnupfen“ durch Viren oder Bakterien verursacht, sondern durch Pollen. Deren Eiweißstoffe wirken als Allergene mit einer nachfolgenden Überreaktion des Immunsystems. Darunter verstehen wir Ärzte eine unangemessen starke, „überschießende“ Reaktion des Immunsystems auf an sich harmlose Stoffe.
Ein gesunder Organismus nimmt die Pollen ohne Reaktion zur Kenntnis.
Ein übersensibles Immunsystem jedoch will „Zoff“. Die irrtümlich
als gefährlich eingestuften Eindringlinge werden mit allen Mitteln bekriegt.
Sobald die Blütenpollen die Schleimhäute von Nase und Augen berührt
haben, mobilisiert der Körper gegen das Fremdeiweiß spezielle Antikörper.
Sie sitzen auf den so genannten Mastzellen, die ihrerseits bestimmte Gewebshormone
freisetzen, darunter Histamin, das zu den typischen Heuschnupfen-Beschwerden,
z.B. „Triefnase“ führt.
Auch Nahrungsmittel, die in ihrer Form oder Eiweißstruktur bestimmten
Pollen ähneln, können zu denselben Symptomen führen.
Deshalb gibt es typische Kreuzreaktionen zwischen Pollen- und Nahrungsmittelallergen;
zum Beispiel reagieren Patienten mit Allergien gegen Frühblüher
(wie Hasel, Erle und Birke) allergisch auf grüne Äpfel, Wal-, Hasel-
oder Erdnüsse. Typisch sind Reaktionen auf Hülsenfrüchte oder
Getreidemehle bei Gräserallergien.
Zum Schluss erlauben Sie mir, liebe Leserinnen und liebe Leser, eine Bemerkung:
Selbstbehandlung kann gefährlich werden.
Selbstmedikation birgt die Gefahr der Unter-, Über- oder Fehlbehandlung.
Vor unsinnigen Heilmitteln und Therapien gegen Asthma und Heuschnupfen kann
man nur warnen. Die Gefahr dubioser Methoden liegt insbesondere aber auch
darin, dass Patienten eine sinnvolle Therapie absetzen oder ablehnen.
Mein Rat also: Nicht selber herumdoktern bei Allergie- und Asthmaerkrankung!
Ärztliche Beratung und die Wahl der entsprechenden Arzneimittel sind
unverzichtbar.
Für Ihre Gesundheit alles Gute wünscht Ihr
Wolfgang woynar

Zur Zusammenarbeit verpflichtet
Medikamente helfen, die Symptome zu lindern. Manche wirken vorbeugend und
müssen mehrmals täglich angewendet werden. Neuere Präparate
verursachen auch keine Müdigkeit mehr. Bei schwerem Verlauf muss Cortison
eingesetzt werden, das unterdrückt das Immunsystem.
Asthma ist ein chronischer Zustand, der zur wirksamen Steuerung medikamentös
behandelt werden muss. Patienten wissen, dass sie ihre Medikamente wie verschrieben
einnehmen sollten. Dennoch tun sie das häufig nicht.
Der Begriff „Compliance" beschreibt sehr gut, wie das Zusammenspiel
zwischen Patient und seinem Arzt funktionieren sollte: Im gemeinsamen Gespräch
sollten Sie sich auf eine Therapie einigen, die für beide annehmbar ist.
Dies ist nur möglich, wenn Sie genau verstehen, was Asthma bedeutet und
welche Behandlungsoptionen es gibt. Danach einigen Sie sich auf einen Behandlungsplan,
der Ihre Sorgen und Interessen berücksichtigt. Dass Ihr Arzt Ihre Ansichten
versteht, ist dabei ebenso wichtig, wie dass Sie den Rat Ihres Arztes verstehen.
So werden Sie sich mit dem Behandlungsplan wohl fühlen und bereit sein,
danach zu handeln.
TIPPS zum Umgang mit Allergenen
Das oberste Gebot lautet: Wenn möglich Allergene meiden!
Der Deutsche Wetterdienst bietet eine bundesweite Pollenflugvorhersage an,
die auch in der NORDSEE- Zeitung veröffentlicht wird.
Ein Urlaub im Hochgebirge und an der Nordsee kann bei einer Pollenallergie
die Krankheit wesentlich lindern.
Mit dem Sonnenaufgang nimmt auch die Pollenkonzentration in der Luft wieder
zu. Deshalb schließen Sie in dieser Jahreszeit ab drei Uhr früh
Ihre Fenster! Durchlüften nach Regen oder in den späten Abendstunden.
Auch beim Autofahren gilt: Schotten dicht machen. Bei den meisten Modellen ist heutzutage ein Pollenfilter in die Lüftungsanlage eingebaut.
Waschen Sie sich jeden Abend die Haare und verbannen Sie die Straßenkleidung aus Ihrem Schlafzimmer.
Täglich Staubsaugen und -wischen, um die Pollen von Teppichen und Möbeln zu entfernen. Verzichten Sie auf Haustiere und Rauchen. Der Zigarettenqualm kann Allergien verstärken.
Lassen Sie Ihre Kinder ruhig spielen. „Keimfrei aufwachsende Kinder erkranken eher an Allergien“. Denn ein „gelangweiltes" Immunsystem sucht sich andere Betätigungsfelder
TIPPS zum Umgang mit Asthma
Medikamente richtig und regelmäßig anwenden.
Ärztliche Untersuchungen (Lungenfunktionsmessungen / Laborkontrollen)
regelmäßig durchführen lassen.
Aufmerksam sein, aber nicht ängstlich: Warnsignale erkennen und handeln.
„Welche Umstände führen zur Verschlechterung des Befindens?“
Auslöser und Atemnotsituation meiden. (Zigarettenrauch, kalte Nebeltage.
Belastungen möglichst begrenzen: Pausen zum „seelischen Luftholen“
einlegen.
Optimismus, Ausgeglichenheit und der Glaube an die eigenen Kräfte können
zu einer deutlichen Verbesserung führen.
Vorbereitung auf Notfallsituationen: Asthma - Notfallplan aufstellen.
Atemgymnastik durchführen: Mit Atemnot richtig umgehen.
Sport treiben – fit trotz Asthma: regelmäßige körperliche
Betätigung stärkt die Atmung und trainiert die Muskulatur.
Urlaubszeit zum Entspannen nutzen: „Aufatmen!“.
Haben Sie Asthma?
Fühlen Sie gelegentlich eine Enge in der Brust oder kommt es vor, dass
Sie pfeifende, rasselnde oder quietschende Geräusche beim Atmen hören.
Wachen Sie gelegentlich nachts auf und müssen husten und/oder bekommen
Sie schlecht Luft?
Meiden Sie Zigarettenrauch, intensive Essensgerüche, kalte Luft oder
abgasbelastete Straßen, weil Sie dann schlecht Luft bekommen oder husten
müssen?
Müssen Sie niesen, husten oder bekommen Sie schlechter Luft als sonst,
wenn
- Sie in die Nähe von Tieren kommen oder diese berühren?
- Im Frühjahr Gräser, Büsche oder Bäume blühen?
- Sie Staub saugen oder die Betten ausschütteln?
Vermeiden Sie anstrengende Tätigkeiten (zum Beispiel schwer tragen, Gartenarbeit,
Sport...), weil Sie Ihnen schwer fallen und Husten auslösen?
Haben Sie Beschwerden - trotz Behandlung?
Werden Sie trotz Asthma-Behandlung nachts häufiger durch Husten oder
Atemnot wach?
Haben Sie, obwohl Sie Ihre Medikamente regelmäßig einnehmen, den
Eindruck, dass Sie öfter als einmal im Monat deutliche Beschwerden bis
hin zur Atemnot haben?
Merken Sie, dass sich die Beschwerden in letzter Zeit trotz Behandlung wieder
verstärken?
Mussten Sie trotz Behandlung wegen akuter Symptome in der letzten Zeit in
das Krankenhaus oder zum Notarzt?
Haben Sie in letzter Zeit Ihr Bedarfs-/Notfallmedikament vermehrt einnehmen
müssen (mehr als viermal pro Tag)?
Falls Sie selber peak-flow-Messungen durchführen: Weisen insbesondere
Ihre morgendlichen Werte starke Schwankungen auf?
Wer auch nur einmal mit "JA" antwortet, sollte seinen Arzt aufsuchen!
Fragebogen der Aktion "Außer Atem"
Dr. med. Wolfgang Woynar
FA Allgemeinmedizin und
FA Frauenheilkunde
woynar@hausarzt-bremerhaven.de
www.hausarzt-bremerhaven.de
