
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
Aktuelle Veränderungen im Gesundheitsmarkt enthalten hochbrisanten Sprengstoff.
Bei zugleich hoher Arbeitslosenrate und engen finanziellen Ressourcen ist
ein bedeutendes Element der deutschen Nachkriegsgeschichte gefährdet:
der soziale Frieden.
Vorbei sind die Zeiten, als individuelle und gesellschaftliche Interessen
im Einklang standen, bezahlbar waren und somit ein konflikt-freies Zusammenleben
der Interessengruppen möglich war. Obwohl die Unbezahlbarkeit der Sozialleistungen
seit langem bekannt war, hatte niemand den Mut, dem mündigen Bürger
die Wahrheit zu sagen. Jetzt jedoch ist eine weitere Verschleierung der tatsächlichen
Situation nicht mehr möglich und die Verteilungskämpfe toben. Mit
der Folge: jedermann akzeptiert, dass gespart werden muss, ein jeder aber
versucht, sich selbst dabei auszusparen.
Diesen Standpunkt vertreten nahezu alle im Gesundheitswesen tätigen Gruppen.
Fakt ist: es geht um die Rahmen-Bedingungen ärztlichen Handelns, und für Sie, liebe Leserinnen und Leser, geht es um die Finanzierung Ihrer Lebenszeit und Lebensqualität und Ihr Verhältnis zu Ihrem Arzt.
Ein häufiger Vorwurf unterstellt „den“ Ärzten ein Denken und Handeln nach dem Prinzip „Ethik gleich Monetik“, das meint unzulässiges Gewinnstreben. In der veröffentlichten Meinung werden solche Beispiele genüsslich ausgebreitet und führen zu einem generellen Ansehensverlust der Ärzteschaft. Diese Diskussion führt jedoch nicht zu einer Problemlösung.
Notwendig ist eine ernsthafte Diskussion über Ethik und Ökonomie
in der Medizin.
Ärzte sind in einer ganz besonderen Pflicht. Allgemein anerkannt sind
ethische Grundsätze der professionellen ärztlichen Arbeit, die nicht
verletzt werden dürfen:
1. Ärzte müssen im besten Interesse der Patienten
handeln (Benefiz).
2. Ärzte müssen Patienten vor Schaden bewahren
(Nonmalefiz).
3. Ärzte müssen Patienten und deren Willen respektieren
und einen aufgeklärten Konsens anstreben (Autonomie).
Im bestehenden Gesundheitssystem haben Ärzte die Pflicht, mit den gegebenen
Mitteln effektiv und gerecht umzugehen: „wirtschaftlich, angemessen,
notwendig, zweckmäßig“.
Da stellt sich die Frage, ob mit den vorhandenen Mitteln eine ethisch vertretbare
Medizin geleistet werden kann. Leidtragende sind Ärzte und Patienten.
Die einen erwarten aufgrund ihrer Beiträge optimale medizinische Versorgung,
die anderen können nur anbieten, was die Krankenkassen übernehmen.
Sicher ist: das Anspruchsniveau früherer Jahre ist nicht mehr zu halten,
die vielzitierte Eigenverantwortung und -vorsorge muss jeder akzeptieren und
übernehmen.
Der Staat versucht bisher vergeblich ordnungspolitisch Einsparungsmöglichkeiten
auszuschöpfen. Er benennt diesen Prozess „Rationalisierung“
und wehrt sich gegen den Vorwurf der „Rationierung“. Zugleich
wird versprochen, dass es keinen Qualitätsverlust geben wird. Dieses
Versprechen kann nicht eingelöst werden.
Ärzte stecken in dem Dilemma, zwischen den Mühlsteinen "Patientenansprüche" und "Kostendeckelung" zerrieben zu werden. Dabei sind Ärzte in Gefahr, sich primär als Instrument der Gesundheitspolitik zu verstehen – gerade weil sie es auch sind. Dennoch müssen Ärzte sich auch zukünftig als Anwälte des Einzelnen gegenüber Ansprüchen des Staates verstehen.
Untersuchungen zeigen, dass die aktuellen Veränderungen der Rahmenbedingungen
ärztlicher und pflegerischer Tätigkeit schwerste Belastungen für
die Mitarbeiter in Praxen und Kliniken mit sich bringen. Sie lassen sich als
Konflikt zwischen Heilkunde und der Ökonomie formulieren. Diese Konflikte
gehen zu Lasten der Patienten, aber auch zu Lasten der Arbeitszufriedenheit,
Motivation und Gesundheit der Mitarbeiter.
Viele unterschätzen das Ausmaß der vorhandenen Frustrationen.
Ärzte können im Bereich der Gesetzlichen Kranken Versicherung nicht
mehr weitgehend das machen, was Berufsethos, der Stand von Forschung und Technik,
der eigene Wissensstand und Praxis- oder Klinikausrüstung hergeben.
Die versicherten Patienten können nicht mehr ohne zusätzlichen eigenen
finanziellen Anteil die Maximalversorgung von Arzt und Krankenkasse einfordern.
So sehr sie sich auch durch ihre Pflichtbeiträge dazu berechtigt fühlen.
Die Krankenkassen als Kostenträger können ständig steigende
Ausgaben nicht mehr relativ problemlos auf Versicherte und deren Arbeitgeber
abwälzen.
Vor dem skizzierten Hintergrund muss der Patient seine Erwartungen an die
folgenden Fragen knüpfen: Wie viel Arzt braucht der Mensch? Konkret heißt
das
• Krankheit wird solidarisch finanziert, aber: für meine Gesundheit
muss ich selbst aktiv sorgen: „Selbstverantwortung“
• Erwartungen an die Gesetzliche Krankenversicherung sollten Sie realistisch
einschätzen: sie kann nur die wirtschaftlich, angemessen, notwendig,
zweckmäßige Behandlung leisten
• Alle Kosten werden solidarisch finanziert – der Bürger
darf sie nicht unsolidarisch nutzen. Denn letztlich belasten steigende Ausgaben
die Arbeitskosten. Solidarität dagegen verbessert die Bedingungen für
Arbeit
• Verschwendung von Mitteln ist moralisch nicht zu rechtfertigen.
Die offensive Auseinandersetzung mit dem Tabuthema „Ökonomisierung
in der Medizin“ sollte möglich werden. Das setzt voraus, dass die
Menschen erkennen, dass sie private Interessen dem Gemeinwesen unterordnen
müssen. Das schließt auch einen Verzicht auf bisher liebgewonnene
Gewohnheiten ein.
Denn erst dann können ökonomisch notwendige Maßnahmen mit
dem medizinisch Sinnvollen eine tragfähige Verbindung eingehen.
In einem solidarisch finanzierten Gesundheitswesen muss der (Kosten-) Aufwand in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzengewinn für die Gesundheit aller seiner Bürger stehen.
Wirtschaftlichkeit darf nicht zu Lasten der Qualität der Medizin gehen. Darüber zu wachen, ist die eigentliche Aufgabe eines staatlichen und medizinischen Qualitätsmanagements.
Gute Medizin braucht mehr Gewissen.
Für Ihre Gesundheit alles Gute
wünscht Ihnen Ihr Wolfgang Woynar

Mit Asthma leben heißt, seine Atemnot beherrschen lernen.
Obwohl Asthma, chronische Bronchitis und Emphysem ganz unterschiedliche Atemwegserkrankungen
sind, haben sie eines gemeinsam: „man kriegt schlecht Luft“.
Alle drei Krankheiten sind chronische Erkrankungen, das heißt sie bleiben
meist lebenslange Begleiter. Deshalb ist eine disziplinierte und richtige
Behandlung zeitlebens wichtig. Langzeitbehandlungen aber sind andauernd und
deshalb störanfällig; eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen
Patient und Arzt ist genau so wichtig wie die – gegenseitige - Kontrolle.
Das gilt für Atemwegskrankheiten genau so wie für andere chronisch
Kranke, z.B. für Diabetiker, Herz-Kreislaufkranke – also Volkskrankheiten,
mit denen sich das GESUNDHEITS Forum seit Jahren einmal pro Monat beschäftigt.
Um es deutlich zu sagen: selbst in beschwerdefreien Zeiten darf die Behandlung
des Asthma, der chronischen Bronchitis oder des Emphysems nicht abgebrochen
werden, da sonst die Gefahr einer Verschlechterung besteht.
Ohne aktive Mitwirkung des Patienten ist das nicht möglich. Das gilt
für die medikamentöse als auch für die nicht-medikamentöse
Therapie und für die gesunde Lebensführung, die der Erkrankung anzupassen
ist.
Als Patient sollten Sie sich selbstkritisch fragen und prüfen: „Habe
ich wirklich stets zuverlässig und partnerschaftlich mitgewirkt?“
„Habe ich meine Medikamente regelmäßig eingenommen –
auch wenn es mir besser ging?“ und „Habe ich meine Lebensgewohnheiten
meiner Krankheit angepasst?“
Eine optimale Versorgung setzt „Compliance“ voraus, seitens des
Patienten, aber auch des behandelnden Arztes.
Erfahrungsgemäß dauert es ab dem Einsetzen der ersten Asthmasymptome
bis zur Diagnosestellung durchschnittlich etwa sechs Monate. Gerade bei einem
chronischen Husten als Leitsymptom wird mitunter zu lange abgewartet. Hustenblocker
oder Schleimlöser und Antibiotika werden verordnet. Bei Husten länger
als zehn bis vierzehn Tagen ist eine weiterführende Diagnostik, speziell
die Lungenfunktion, zwingend notwendig.
Typische Symptome, bei denen man an ein Asthma denken sollte, sind Atemnot
bei Belastung und nächtlicher Husten – übrigens gerade auch
bei Kindern und Jugendlichen.
In der Praxis des Hausarztes wird dann die Lunge abgehört und die Symptomatik
genau abgefragt und möglichen Ursachen nachgegangen. Die Lungenfunktionsprüfung
sollte in der Hausarztpraxis genau so selbstverständlich sein wie das
EKG. Das Peak- flow- Meter ist eine hervorragende Möglichkeit selbst
den Verlauf der Asthmaerkrankung zu verfolgen, ist aber aus verschiedenen
Gründen keine geeignete Möglichkeit, die Diagnose selbst zustellen.
Entscheidend jedoch ist die bereits angesprochene Compliance, die ursächlich
für die schlechte Versorgung vieler Asthmatiker ist. Dabei bleibt festzuhalten,
dass nicht nur Patienten, sondern auch so mancher Arzt fälschlicherweise
Vorurteile gegen Kortison pflegen.
Erschreckend sind die Ergebnisse einer Untersuchung an Schwangeren, die notfallmäßig
wegen Asthmaanfall behandelt werden mussten. Offenbar hatten die behandelnden
Ärzte Bedenken, dem Fötus zu schaden und behandelten deshalb unzureichend
ohne inhalative Kortikoide. Das Gegenteil ist der Fall: Die Sauerstoffunterversorgung
während eines Atemnotanfalls ist für das Ungeborene viel schwerwiegender.
Doch auch seitens des Patienten fehlt es zuweilen an Einsicht: 40 Prozent
der Patienten nehmen die erforderlichen Medikamente nicht regelmäßig
und nicht in der richtigen Dosis ein. Die Folge ist eine Verschlechterung
der Krankheit.
Nur intensive Schulung kann dies verbessern!
Wichtig ist es, die richtige Inhalationstechnik zu erlernen, damit gesichert
ist, dass das Medikament dorthin gelangt, wo es benötigt wird. Jeder
kann in wenigen Stunden lernen, sein Asthma besser zu kontrollieren und die
Dosis seines Medikamentes seinem jeweiligen Gesundheitszustand anzupassen.
Dadurch steigt nicht nur die Lebensqualität, sondern es sinkt auch die
Zahl der Notfallbehandlungen und Krankenhausaufenthalte. Wichtig ist ebenso,
das Verständnis für die wichtigsten medizinischen Zusammenhänge
zu vermitteln. Sei es mittels Kurzschulung durch den Arzt oder eine entsprechend
ausgebildete Arzthelferin oder durch mehrstündige Schulungsprogramme.
Auch das Internet liefert Informationen, z.B. die Leitlinien der GINA (Global
Initiative for Asthma), www.ginasthma.com
oder www.uniklinikum-giessen.de/pneumologie.
Ausdauersport hilft gegen Asthma. Regelmäßige Bewegung hilft, chronische
Krankheiten einzudämmen. Mediziner empfehlen Asthma-Patienten angemessenen
Ausdauersport. Junge Asthma-Patienten jedoch meiden bisher oft Schulsport
und anderes Training, weil körperliche Anstrengung als einer der Auslöser
von Atemnotanfällen gilt. Doch das Gegenteil ist richtig: asthmakranke
Kinder sollen gezielt an Sport herangeführt werden.
Regelmäßige Bewegung mit gut dosiertem Training und steigender
Selbstkontrolle führt nicht zur Überbelastung. Im Gegenteil, Sport
hilft dabei, die Belastungsgrenzen Stück für Stück heraufzusetzen.
Im Hochleistungssport gibt es Beispiele für Weltklasseleistungen von
Asthmatikern.
Dr. med. Wolfgang Woynar
Arzt für Allgemeinmedizin
Haben Sie Asthma?
• Fühlen Sie gelegentlich eine Enge in der Brust oder kommt es vor, dass Sie pfeifende, rasselnde oder quietschende Geräusche beim Atmen hören.
• Wachen Sie gelegentlich nachts auf und müssen husten und/oder bekommen Sie schlecht Luft?
• Meiden Sie Zigarettenrauch, intensive Essensgerüche, kalte Luft oder abgasbelastete Straßen, weil Sie dann schlecht Luft bekommen oder husten müssen?
• Müssen Sie niesen, husten oder bekommen Sie schlechter Luft
als sonst, wenn
- Sie in die Nähe von Tieren kommen oder diese berühren?
- Im Frühjahr Gräser, Büsche oder Bäume blühen?
- Sie Staub saugen oder die Betten ausschütteln?
• Vermeiden Sie anstrengende Tätigkeiten (zum Beispiel schwer tragen, Gartenarbeit, Sport...), weil Sie Ihnen schwer fallen und Husten auslösen?
Haben Sie Beschwerden - trotz Behandlung?
• Werden Sie trotz Asthma-Behandlung nachts häufiger durch Husten oder Atemnot wach?
• Haben Sie, obwohl Sie Ihre Medikamente regelmäßig einnehmen, den Eindruck, dass Sie öfter als einmal im Monat deutliche Beschwerden bis hin zur Atemnot haben?
• Merken Sie, dass sich die Beschwerden in letzter Zeit trotz Behandlung wieder verstärken?
• Mussten Sie trotz Behandlung wegen akuter Symptome in der letzten Zeit in das Krankenhaus oder zum Notarzt?
• Haben Sie in letzter Zeit Ihr Bedarfs-/Notfallmedikament vermehrt einnehmen müssen (mehr als viermal pro Tag)?
• Falls Sie selber peak-flow-Messungen durchführen: Weisen insbesondere Ihre morgendlichen Werte starke Schwankungen auf?
• Fragebogen der Aktion "Außer Atem": Wer auch nur einmal mit "JA" antwortet, sollte seinen Arzt aufsuchen!
TIPPS zum Umgang mit Asthma
• Medikamente richtig und regelmäßig anwenden.
• Ärztliche Untersuchungen (Lungenfunktionsmessungen / Laborkontrollen) regelmäßig durchführen lassen.
• Aufmerksam sein, aber nicht ängstlich: Warnsignale erkennen und handeln. "Welche Umstände führen zur Verschlechterung des Befindens?"
• Auslöser und Atemnotsituation meiden. (Zigarettenrauch, kalte Nebeltage)
• Belastungen möglichst begrenzen: Pausen zum "seelischen Luftholen" einlegen.
• Optimismus, Ausgeglichenheit und der Glaube an die eigenen Kräfte können zu einer deutlichen Verbesserung führen.
• Vorbereitung auf Notfallsituationen: Asthma - Notfallplan aufstellen.
• Atemgymnastik durchführen: Mit Atemnot richtig umgehen.
• Sport treiben - fit trotz Asthma: regelmäßige körperliche Betätigung stärkt die Atmung und trainiert die Muskulatur.
• Urlaubszeit zum Entspannen nutzen: "Aufatmen!".
Wenn das Immunsystem überreagiert
Wenn Bäume und Wiesen blühen, dann ist das für Allergiker kein
Vergnügen. Dann beginnt die Zeit des ständigen Niesens, der tränenden
Augen, des Juckreizes und der Atemnot. In den Apotheken häufen sich die
Nachfragen nach Sprays, Tropfen oder Tabletten. Auch in den Praxen von Ärzten
und Homöopathen sind die Wartezimmer voll.
Die kalte Jahreszeit ist für Allergiker dagegen die reine Erholung.
Genau genommen ist eine Allergie eine Überreaktion unserer Abwehrkräfte
(=Immunsystem). Das Immunsystem hat die Aufgabe, schädliche Stoffe zu
erkennen und zu bekämpfen. Dazu muss es jedoch zunächst zwischen
unschädlichen und solchen Substanzen, die dem Körper schaden könnten,
unterscheiden.
Immer wenn wir mit einem fremden Stoff - ganz gleich welcher Art - durch Hautkontakt,
Einatmen oder durch eine Verletzung in Kontakt kommen, prüft das Abwehrsystem,
ob dieser Stoff gefährlich für uns ist. Erkennt nun unser Abwehrsystem,
dass es sich um einen körperfremden Stoff handelt, versucht es, den "Eindringling"
unschädlich zu machen. Dies geschieht durch sogenannte Abwehrzellen und
spezielle Eiweißstoffe, die Antikörper.
Wenn es dem Immunsystem gelingt, den echten oder vermeintlichen Feind erfolgreich
zu bekämpfen, dann "merkt" es sich ganz genau, wie dieser Störfaktor
aussieht. Sobald dieser Stoff erneut in Kontakt mit dem Körper kommt,
werden dann sofort die gegen diesen Eindringling wirksamen Antikörper
zum Einsatz gebracht. Dieser Vorgang wird als Immunisierung bezeichnet, denn
damit ist der Körper immun gegen diesen schädlichen Einfluss.
Eine Allergie ist nichts anderes als eine „überschießende“
Reaktion des Immunsystems auf das Eindringen eines körperfremden Stoffes.
Diese Überreaktion des Abwehrsystems löst die typischen Allergiebeschwerden
wie Hautjucken, Schwellung der Bindehaut und der Nasenschleimhaut, Reizhusten,
allergischen Durchfall oder Atembeschwerden bis hin zu Atemwegserkrankungen
erst aus.
In den hochentwickelten Industrieländern leiden schätzungsweise
15 bis 20 Prozent der Erwachsenen und sogar ein Drittel der Kinder unter Heuschnupfen,
Asthma oder Neurodermitis. Rund 25 Millionen Deutsche - also fast jeder dritte
Bundesbürger - leiden mittlerweile an einer Allergie. Nach wie vor ist
unklar, warum allergische Krankheiten in den letzten Jahrzehnten immer häufiger
auftreten.
Beispielsweise litt 1926 weniger als ein Prozent der Bevölkerung an Heuschnupfen,
heute sind es über elf Prozent. Die Zahl der Allergiker hat sich in den
letzten vier Jahrzehnten nahezu verdoppelt. Zu den möglichen Ursachen
für diese dramatische Zunahme zählen Belastungen durch Umweltgifte
sowie die geringere Stimulation des kindlichen Immunsystems.
Jeder Pollenallergiker muss wissen, auf welche Pollen er reagiert. Daher sollte
er sich testen lassen. Eine Pollenallergie sollte nicht verharmlost werden,
da sie unbehandelt in 30 Prozent der Fälle zu Asthma führt.
Die eigentliche Ursache der Allergien ist zwar nicht bekannt, dafür wissen
die Experten eine Menge über die auslösenden Faktoren von der Umweltbelastung
bis zur übertriebenen Hygiene gerade im Kindesalter. Mit Medikamenten
wie Antihistaminika und Kortison können lediglich die Symptome bekämpft
werden.
In manchen Fällen lässt sich mit einer langwierigen Behandlung -
der Hyposensibilisierung - die Überreaktion des Körpers auf den
Allergieauslöser mildern oder abgewöhnen. Viele Allergieformen sind
jedoch nur schwer zu behandeln, Rückschläge frustrieren und belasten
die Patienten zusätzlich.
Die Symptome des Heuschnupfens kann man mit Tabletten bekämpfen, auch
wenn viele diese Präparate meiden im Glauben, dass sie furchtbar müde
machen. Früher war das auch so, doch diese Zeiten sind vorbei. Mittlerweile
sind Medikamente auf dem Markt, die die Körperfunktionen nicht beeinträchtigen.
Dr. med. Wolfgang Woynar
Arzt für Allgemeinmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de
Wie kann man sich gegen Heuschnupfen wehren?
Empfohlen wird:
• Häufig duschen, täglich Haare waschen vor dem Zubettgehen
• Schlafzimmerfenster geschlossen halten
• Pollenfilter im Auto
• psychischen und körperlichen Stress vermeiden
• einen täglicher Blick in die NORDSEE- Zeitung werfen wegen der
aktuellen Pollenflugvorhersage. In Apotheken oder auch bei Ärzten sind
zudem Pollenflug-Kalender erhältlich.
• Kleinkinder (bis drei Jahre) sollten nicht mit Haustieren zusammen
aufwachsen
• Erwachsene sollten in ihrer Nähe das Rauchen einstellen.
• Den Jahresurlaub in die Allergiezeit legen und verreisen.
Günstig sind meist Ferien im Hochgebirge, an Küstenbereichen oder
auf Inseln. Am Meer und auf den Nordsee-Inseln minimieren westliche Seewinde
die Beschwerden. Doch wenn der Wind vom Land her weht und die Pollen vom Festland
mitbringt, treten auch hier die lästigen Probleme auf.
Etwa jeder Dritte Heuschnupfenpatient muss zusätzlich mit einer Nahrungsmittelallergie
rechnen, so genannten Kreuzallergien. Menschen, die gegen Haselnuss, Birke
oder Erle allergisch sind, sollten auf Hasel-, Para- und Walnüsse sowie
auf Mandeln verzichten. Auch Äpfel, Birnen, Kirschen Sellerie, Kiwis,
Karotten sollten dann nicht auf dem Speiseplan stehen.
Die einzige ursächliche Therapie des Heuschnupfens ist die so genannte
Hyposensibilisierung. Dabei bekommt der Allergiker „sein“ Pollenallergen
in allmählich steigender Dosis gespritzt, um ihn so gegen den Pollen
unempfindlich zu machen.
Dagegen lassen sich mit Medikamenten nur die Symptome und die entzündlichen
Schleimhautschwellungen lindern. Eingesetzt werden Antihistaminika, Ketotifen
und Cortison.
Im Sport und Beruf ist oftmals die Leistungsfähigkeit eingeschränkt.
Wer hustend und niesend sich durch den Arbeitstag quält, kann sich nicht
konzentrieren und leistet weniger.
Auch viele Leistungssportler leiden unter Belastungsasthma. Begründung:
das ständige Einatmen trockener, kalter (vor allem im nordischen Skisport)
oder chlorhaltiger Luft (in Hallenschwimmbädern) reizt die Atemwege extrem.
Trotz der dramatischen Zunahme werden Allergien fälschlicherweise immer
noch als "Bagatelleerkrankung" betrachtet. Die Lebensqualität
der Betroffenen kann zum Teil erheblich beeinträchtigt sein - was letztendlich
einen negativen Effekt auf die Psyche hat. Ein andres Problem: Bei vielen
Menschen ist die Tierliebe ist größer als Angst vor ihrer Krankheit,
denn von ihren Vierbeinern wollen sie sich nicht trennen – trotz offensichtlicher
Beschwerden!
Als „seriöse“ Krankheit gilt Heuschnupfen noch nicht. Bagatellisierung
aber hilft nicht weiter. denn Heuschnupfen verursacht Schäden. Allergie
wird zu Asthma.
Bei dreißig bis vierzig Prozent der nicht behandelten Heuschnupfenfälle
gibt es ein Asthmarisiko, und dann wird es richtig böse für die
Patienten und teuer für die Krankenkassen.
Wird aus dem Heuschnupfen tatsächlich ein Bronchialasthma, spricht man
von einem „Etagenwechsel“, die Erkrankung wandert über den
Mund und Hals bis tief in die Bronchien hinab, die Lungenfunktion ist dann
beeinträchtigt. Ist erst einmal die Mundschleimhaut vom allergischen
Asthma befallen, sind diese Schäden irreversibel.
Dr. med. Wolfgang Woynar
Arzt für Allgemeinmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de
