
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
lesen bildet und regt zugleich die Phantasie an – zuweilen.
Eine Superpille mit sechs Substanzen, die das Risiko für Herz-Kreislauf Krankheiten (KHK) dramatisch reduzieren soll, haben sich britische Epidemiologen ausgedacht. Wohlgemerkt: eine solche Pille existiert nicht. Sie ist vorerst eine Hypothese, die in klinischen Studien belegt werden muss.
Worum geht es? Zwei Professoren der Universität in London, haben den
jeweilige „Nutzen“ für die Prävention der KHK, der mit
einer Therapie mit Statinen, drei Blutdrucksenkern, Folsäure und Acetylsalicylsäure
erreicht werden kann, aus verschiedenen wissenschaftlichen Studien akribisch
zusammengetragen.
Diese sechs Wirkstoffe wollen die Wissenschaftler nun in einer "Polypille"
vereinen und allen Briten über 55 Jahren – also auch den Gesunden
- gegen Herz-Kreislauf-Beschwerden verabreichen. Die so genannte Polypille
mit den sechs Wirkstoffen soll tatsächlich zur primären Vorbeugung
gegen Herzinfarkt und Schlaganfall dienen.
Soweit so gut. Dann aber kumulierten sie diese „Nutzen“ - Beträge
und kamen zu dem Ergebnis: Eine Pille mit drei Blutdrucksenkern unterschiedlicher
Substanzklassen, einem Statin, Folsäure und Acetylsalicylsäure (ASS)
wird mehr als 80 Prozent der KHK in der Bevölkerung verhüten –
wenn man diese allen über 55jährigen verabreicht.
Die Ergebnisse ihrer Analysen haben die Forscher im "British Medical
Journal" veröffentlicht.
In der Polypille sollen nur geringe Dosen der Wirkstoffe Aspirin, Folsäure, Blutfett-senkendes Mittel und drei Substanzen gegen Bluthochdruck enthalten sein Deshalb rechnen die Forscher nur mit wenigen Nebenwirkungen. Da in den westlichen Ländern etwa jeder Zweite in seinem Leben Herz-Kreislauf-Probleme bekommt, sei eine flächendeckende Verteilung der Tabletten gerechtfertigt.
Eine Sechsfachkombination reduziert Herz- und Hirninfarkte drastisch. Dies
ist wie gesagt nur eine Hypothese, der Fachleute aus der Klinik mit den folgenden
Argumenten widersprechen:
Hochrisikopatienten eine Tablette mit zwei Substanzen zu geben, die etwa auf
Hochdruck und Hypercholesterinämie wirken, ist zwar eine gute Idee. Kombinationstherapien
sind prinzipiell ein gutes Konzept. Doch sechs Substanzen in eine Tablette
zu packen und an alle Menschen ab einem gewissen Alter zu verteilen, das ist
kühn, denn es ist mit Interaktionen und potenzierten Nebeneffekten zu
rechnen.
Würden solche Substanzen bevölkerungsbreit gestreut, dann könnte
der Schaden den Nutzen bei weitem übersteigen. - Ganz abgesehen davon,
dass es etwa für Folsäure und ASS keine Evidenz-basierten Daten
für die Primärprävention gibt.
Ein weiterer Aspekt, den Sie – liebe Leserinnen und Leser – nicht vergessen sollten, heißt: die Polypille darf aber kein Freischein für eine ungesunde Lebensweise werden. Die Gefahren von Fettleibigkeit, Bewegungsmangel und Rauchen dürfen weiterhin nicht vernachlässigt werden. Denn Gesundheit hat mehr mit dem Lebensstil und der Umwelt zu tun als mit Medikamenten und unserem Gesundheitssystem zusammen.
Für Ihre Gesundheit alles Gute
wünscht Ihnen Ihr
Wolfgang Woynar

Bewegung für Ihr Leben
Jede Form der Aktivität, und sei sie noch so gering wie Treppensteigen
oder Rasenmähen, führt schon zu einer deutlichen Senkung des Risikos,
an Herz-Kreislauferkrankungen zu erkranken. Die Beweislage für den Nutzen
körperlicher Aktivität ist besser dokumentiert als für viele
andere Therapien, die wir in den Arztpraxen regelmäßig anwenden.
Viele Studien weisen wissenschaftlich nach: sportliche Aktivität wirkt
wie ein Medikament und das ohne wesentliche Nebenwirkungen!
Jedermann weiß das, doch nur wenige verhalten sich tatsächlich
dementsprechend.
Eine Frage wird in der ärztlichen Praxis immer wieder gestellt: Was ist
wichtiger, die Ausdauer oder die Intensität der Belastung?
Meine Antwort: Für die allgemeine Fitness ist wichtig, dass die Aktivität
ausdauernd und intensiv betrieben wird. Wer gut in Form ist, überlebt
länger.
Aktivität mit hoher Ausdauer hat einen messbaren, gesundheitsfördernden
Einfluss auf metabolische Variablen wie etwa das HDL-Cholesterin.
Die maximale Wirkung des Bewegungstrainings nutzt nur derjenige aus, der ausdauernd
und zugleich mit einer gewissen Intensität trainiert.
Der andere Weg, das Problem anzugehen ist die Prävention der Zivilisationskrankheiten.
Das Problem, das häufig in der täglichen Praxis zu lösen ist,
aber lautet: Wie soll man einen Menschen, der seit der Schulzeit keinen Sport
betrieben hat, dazu bewegen aktiv etwas für seine Gesundheit zu unternehmen?
Kreativität, Kommunikation und Kompetenz sind gefragt.
Denn: Prävention ist volkswirtschaftlich günstiger als Heilen. Hochleistungsmedizin
aber findet ihre Grenzen, selbst wenn zusätzlich apparative und finanzielle
Mittel unbegrenzt bereitgestellt würden.
Bekanntlich liegt der Beginn des Übels namens koronare Herzkrankheit
(„KHK“) Jahrzehnte vor der klinischen Manifestation. Solange die
Endothelschicht über der Plaque dicht und stabil ist, können wir
mit der Diskrepanz zwischen äußerem Wohlbefinden und innerlich
unbemerkt fortschreitender, zerstörerischen Erkrankung scheinbar sicher
und gut leben. Doch wehe, wenn diese schützende Schicht bricht. Wo eine
Plaque entsteht, an welcher Stelle sie platzt, ist nicht vorhersagbar. Neben
den Routineparametern, die in der ärztlichen Praxis Standard darstellen,
werden zusätzlich Homocystein, Lipoprotein (a), Entzündungs- und
Gerinnungsparameter zunehmend mehr diskutiert und für die KHK verantwortlich
gemacht. Umstritten ist lediglich, ob es sich dabei um primäre oder sekundäre
Veränderungen handelt und welche therapeutischen Konsequenzen das Krankheitsrisiko
mindern.
Wegen der langen zeitlichen Vorlaufstrecke und auch weil die wichtigsten Risikofaktoren
unstrittig sind, ist dieser Bereich der medizinischen Betreuung ein ureigener
Aufgabenbereich des Hausarztes. Niemand kann das Gesamtrisiko besser einschätzen.
Es handelt sich um eine komplexe Kombination aus einer Vielzahl von Parametern
und persönlich eigenverantworteter Lebensgestaltung. Alter, Geschlecht
und Gene sind nicht beeinflussbar. Rauchen, Blutfette, Bluthochdruck, Diabetes
und Übergewicht sind dagegen hinlänglich bekannte, durch gesundheitsbewusste
Lebensführung positiv beeinflussbare „Schutz“-faktoren. Immer
spielt das individuelle Verhalten die entscheidende, die wichtigste Rolle.
Prävention wird immer noch von manch einem als banal belächelt.
Die "Vorsorge" der Volks- oder Zivilisationskrankheiten ist aber
mindestens genau so wichtig wie deren medizinische „Diagnose und Therapie“.
Verantwortungsvolle Vorsorge muss dringend mehr gefordert und gefördert
werden. So gesehen ist die Patientenschulung zur gesunden, kontrollierten
Lebensführung gesundheitspolitisch genau so wichtig wie der Herzkatheter
mit Stentimplantation.
Dass letzteres nicht erforderlich ist, dazu kann ein Jeder für sich selbst
beitragen.
Dr. med. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin
www.gesundheitsforum-bremerhaven.de
Wissenswertes über Herzkreislauf Erkrankungen
Was weiß der Durchschnittsbürger über Herzkreislauf - Krankheiten?
Trotz 290.000 Herzinfarkten und 300.000 Fällen von Herzinsuffizienz pro
Jahr? Was vermuten Sie, liebe Leserinnen und Leser: weiß er oder sie
viel, wenig oder gar nichts?
Immerhin 14 Prozent von 2000 Befragten verwechseln eine Mandelentzündung
mit einer Angina Pectoris, wie eine Studie der renommierten Medizinischen
Klinik der Charité in Berlin ergab. 42 Prozent wussten nicht, dass
der Infarktschmerz in andere Körperregionen ausstrahlt. Nur 27 Prozent
würden den Notarzt rufen!
Es kommt noch schlimmer: eine erdrückende Mehrheit von 80 Prozent der
Bevölkerung vermisst eine intensive Aufklärung zum Thema Herz-Kreislaufkrankheiten.
Kaum zu glauben, aber wahr!
Ich denke, das Informationsangebot existiert – seit Jahren in Ihrer
NORDSEE -ZEITUNG und anderswo. – Aber allzu häufig lesen wir solche
Gesundheitsinformationen erst dann mit Interesse, wenn wir „betroffen“
sind. Sei es persönlich, oder in unserem nächsten Umfeld. Wir alle
sind gefordert! Besonders Ärzte sind in der Bringschuld, als „Lehrer
in Gesundheitsfragen“ immer wieder Aufklärung zu leisten in Vorträgen,
redaktionellen Beiträgen. Doch auch Sie, liebe Leserinnen und Leser,
sollten immer wieder Gesundheitsthemen nachfragen und einfordern, zum Beispiel
in der Praxis Ihres Hausarztes.
Herzinfarkt – Die Fakten in Kürze
Die Koronare Herzkrankheit ist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße,
die lange vor Auftreten der Beschwerden beginnt. Von 290.000 Herzinfarkten
pro Jahr versterben 35 %, bevor Hilfe zuteil werden kann. 15% versterben in
den ersten 3 Wochen, 15% versterben in den nächsten 18 Monaten nach Herzinfarkt.
Wer ist gefährdet?
Menschen in der zweiten Lebenshälfte mit Risikofaktoren (hohes Cholesterin,
Zuckerkrankheit, hoher Blutdruck, Herzinfarkt in der Familie und Raucher).
Leitsymptom ist die Angina pectoris, so heißt ein tiefer, dumpfer, einschnürender
Druckschmerz, ein Engegefühl hinter dem Brustbein mit Ausstrahlung in
den linken Arm, die Schulter oder Hals-Kieferregion; nicht selten strahlt
der Schmerz in Magen, Rücken aus. Dauer circa 1 - 15 Minuten. Die Schmerzen
treten häufig nach körperlicher Belastung auf, aber auch bei emotionaler
Belastung, ebenfalls bei Kälte und Feuchtigkeit.
Die bisherigen Lebensgewohnheiten zu ändern ist bei koronarer Herzerkrankung
zwingend notwendig:
• Nikotinkonsum einstellen,
• Ernährung umstellen: cholesterinarm, wenig Fleisch, eher Fisch,
Obst, Gemüse, Salat, Vollkornprodukte, Olivenöl.
• Gewicht reduzieren,
• Blutdruck einstellen (< 140/80 mmHg)
• sportlich betätigen
Risikofaktor: Cholesterin
Der Cholesterinspiegel im Blut sollte beim Gesunden betragen: Gesamt-Cholesterin
bis 240 mg/dl, LDL- Cholesterin bis 160 mg/dl, HDL- Cholesterin: über
40 mg/dl.
Bei Gefäßerkrankungen ist der Cholesterinwert deutlich strenger
limitiert: Gesamt-Cholesterin: bis 190 mg/dl, LDL- Cholesterin bis 100 mg/dl,
HDL- Cholesterin über 40 mg/dl.
Wichtig ist die Umstellung Ihrer Ernährung: weniger Fett, mehr Obst,
Gemüse und Salate, Vollkornprodukte, weniger Kalorien, mehr Bewegung.
Risikofaktor: hoher Blutdruck
Der normale Blutdruck sollte 140 / 80 mmHg betragen. Entscheidend wichtig
ist neben der Gewichtsabnahme eine regelmäßige körperliche
Aktivität. Zudem weniger Alkoholkonsum und - wenn notwendig - Medikamente.
Risikofaktor: Übergewicht
Jedermann weiß es, doch nur wenige verhalten sich tatsächlich dementsprechend:
weniger essen, auf versteckte Fette achten, weniger Süßigkeiten,
weniger Fleisch und Soßen, weniger Alkohol. Und sehr wichtig: mehr Bewegung!
Jede Form der Aktivität, und sei sie noch so gering wie Treppensteigen
oder Rasenmähen, führt schon zu einer deutlichen Senkung des Risikos,
an Herz-Kreislauferkrankungen zu sterben. Die Beweislage für den Nutzen
körperlicher Aktivität ist besser als für viele andere Therapien,
die wir Ärzte in den Praxen regelmäßig anwenden. Viele Studien
weisen wissenschaftlich nach: sportliche Aktivität wirkt wie ein Medikament
gegen Herz-Kreislauferkrankungen, und das ohne wesentliche Nebenwirkungen!
Im Fall des Falles stehen zusätzlich zahlreiche Medikamente zur Verfügung:
ASS, Clopidogrel, ß- Blocker, ACE – Hemmer, ggf. Nitrate, Molsidomin
und CSE – Hemmer.
Beim Kampf gegen den Herzinfarkt beherzigen Sie bitte das 5 - Punkte Programm!
1. Werden Sie unabhängig von der Zigarette!
2. Ernähren Sie sich cholesterinarm! Stichwort: Mittelmeerkost (Obst,
Gemüse, Salate, Vollkornprodukte, Fisch)
3. Bewegen Sie sich regelmäßig! Sport, der Spaß macht: 2
x / Woche über 30 Minuten.
4. Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck! Im Bedarfsfall lassen Sie ihn von Ihrem
Hausarzt medikamentös einstellen (< 140 / 80 mmHg).
5. Lernen Sie die Warnsymptome des Herzinfarktes kennen!
Dr. med. Dipl. Psych. Wolfgang Woynar
Facharzt für Allgemeinmedizin
Facharzt für Frauenheilkunde
www.hausarzt-bremerhaven.de
