
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
Die Ursachen chronischer Krankheiten sind zumeist „stille Krankheiten“,
die eine jahrelange Vorgeschichte haben. Das gilt nachweislich auch für
die Koronare Herzkrankheit, die Erkrankung der Herzkranzgefäße,
die lange Zeit vor dem Auftreten der eigentlichen Beschwerden beginnt.
Am Beispiel der Arterienverkalkung (Arteriosklerose) möchte ich das näher
erläutern.
Die Arteriosklerose ist nicht nur ein typisches Phänomen eines fortgeschrittenen
Alterungsprozesses.
Sie ist eine sich langsam entwickelnde, schleichende Erkrankung. Sie entsteht
zu einem Zeitpunkt in unserem Leben, wo noch niemand an lebensbedrohende Folgen
denkt.
Bereits ab dem zweiten Lebensjahrzehnt sind erste, noch reversible Veränderungen
in den großen Gefäßen erkennbar: Flache, fetthaltige Beete,
aus denen sich Verkalkungsherde entwickeln, die in das Gefäßlumen
hineinragen. Der Betroffene spürt die Gefäßerkrankung nicht,
da diese Verengung den Blutfluss noch nicht einschränkt. Die typischen
Symptome zeigen sich erst später, häufig bei körperlicher Belastung,
wenn die Verengung etwa an den Herzkranzarterien die Gefäßlichtung
um mehr als zwei Drittel einengt.
Bei Belastung (zum Beispiel Koffer tragen oder Schnee schippen) ist der akute
Sauerstoffbedarf der Herzmuskulatur größer, als das in den verengten
Herzkranzarterien bereitgestellte Sauerstoffangebot. In Ruhe verschwinden
die Beschwerden oftmals wieder. Die Betroffenen nehmen das Ereignis trotz
seiner Bedrohlichkeit häufig nicht ernst genug. Insbesondere dann nicht,
wenn scheinbar wichtige berufliche und persönliche Angelegenheiten ablenken.
Denn: eine Krankheit passt nicht ins Lebensbild!
Bleiben die Frühwarnzeichen unbeachtet und kommt es zu einem Verschluss
der Herzkranzgefäße, dann ist das Ereignis „Herzinfarkt“
für den Betroffenen und seine Angehörigen „plötzlich
und unerwartet“ eingetreten.
Ganz gleich, ob Symptome ignoriert oder missgedeutet werden: Der Infarkt ist
das Ergebnis eines sich heimlich und leise über Jahre entwickelnden Krankheitsprozesses.
Die Ursache eines akuten Koronarverschlusses ist zumeist ein „aufgepfropfter“
Thrombus, der sich auf einer vor langen Jahren zuvor angelegten arteriosklerotischen
Plaque bildet. Der Herzinfarkt stellt einen deutlichen und abrupten Einschnitt
dar. Die Zeit nach dem Herzinfarkt führt bei vielen Menschen zu einer
bewussteren Lebensführung, zu einer sinnvolleren Lebensplanung. Spät
– aber nicht zu spät.
Gesunder, „ehrlicher“ Sport ist ein entscheidender Schutzfaktor.
Wenn Sie sich – zusätzlich zur normalen Alltagsarbeit – regelmäßig
körperlich belasten und sei es nur durch eine forcierte Variante des
Spaziergangs, können Sie Ihr Krankheitsrisiko deutlich verringern. „Walking“
hält nicht nur Frauenherzen fit: Also, raus aus dem Fernsehsessel und
mehr bewegen – das ist eine hervorragend wirksame Prophylaxe ohne teuere
Pillen. „Couch-potatoes“ sind out. Höchste Zeit, liebe Leserinnen
und Leser, mit Sport zu beginnen. Zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse
sprechen dafür.
„Laufen ist Leben“ lautet bekanntlich das Motto gegen den Herztod.
Aber auch das Schlaganfallrisiko lässt sich durch Sport und Abspecken
mindern.
Sich körperlich zu belasten, schützt nicht nur vor einem Herzinfarkt,
sondern auch vor einem Schlaganfall. Wer dickleibig ist, bekommt früher
oder später Bluthochdruck und weist damit auch ein erhöhtes Schlaganfallrisiko
auf. Wer zehn Kilogramm abspeckt, reduziert sein Risiko um 20 Prozent. Wer
zudem viel Obst und Gemüse und damit viel Folsäure zu sich nimmt,
reduziert auf diese Weise sein Risiko für einen Herzinfarkt. Dies gilt
für das Schlaganfallrisiko ebenso.
Für die Gesundheit alles Gute!
Ihr Wolfgang Woynar

Herzinfarkt - Die Fakten
Die Koronare Herzkrankheit ist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße,
die lange vor Auftreten der Beschwerden beginnt. Gefährdet sind Menschen
in der zweiten Lebenshälfte mit Risikofaktoren:
Hohes Cholesterin, Zuckerkrankheit, hoher Blutdruck, Herzinfarkt in der Familie
und Raucher.
Leitsymptom ist die Angina pectoris, so heißt der tiefe, dumpfe, einschnürende
Druckschmerz, ein Engegefühl hinter dem Brustbein mit Ausstrahlung in
den linken Arm, die Schulter oder Hals-Kieferregion; nicht selten bis in den
Magen oder Rücken aus. Dauer circa ein bis 15 Minuten. Die Schmerzen
treten oft nach körperlicher oder bei emotionaler Belastung auf, ebenfalls
bei Kälte und Feuchtigkeit. Spätestens dann ist es notwendig die
Lebensgewohnheiten zu ändern:
• Rauchen einstellen
• Ernährung umstellen: cholesterinarm, Fisch statt Fleisch, Obst,
Gemüse, Salat, Vollkornprodukte, Olivenöl.
• Gewicht reduzieren,
• Blutdruck einstellen (unter 140/80 mmHg)
• sportlich betätigen.
Risiko: Cholesterinwert
Der Cholesterinspiegel im Blut ist beim gesunden Menschen für Gesamtcholesterin
bis 240 mg/dl. Bei Gefäßerkrankungen ist der Cholesterinwert deutlich
strenger limitiert und darf nur noch einen Wert bis 190 mg/dl erreichen. Hier
hilft sehr wesentlich die Umstellung auf eine fettreduzierte Ernährung
mit mehr Obst, Gemüse und Salaten, Vollkornprodukten und mehr Bewegung.
Risiko: Hoher Blutdruck
Der normale Blutdruck sollte 140/80 mmHg betragen. Entscheidend ist neben
der Gewichtsabnahme die regelmäßige körperliche Aktivität
und ein verringerter Alkoholkonsum – wenn notwendig auch der Einsatz
von Medikamenten.
Risiko: Übergewicht
Neben der Umstellung der Essgewohnheiten ist jede Form der Aktivität
wichtig – selbst Treppensteigen oder Rasenmähen. Das führt
schon zu einer deutlichen Senkung des Risikos, an Herz-Kreislauferkrankungen
zu sterben und hat keine wesentlichen Nebenwirkungen.
Bewegung ist
das beste Mittel gegen Herzprobleme – in jedem Alter.
Bewegung für Ihr Leben
Die Beweislage für den Nutzen körperlicher Aktivität ist besser,
als für viele andere Therapien, die wir in den Arztpraxen regelmäßig
anwenden.
Viele Studien weisen wissenschaftlich nach: Sportliche Aktivität wirkt
wie ein Medikament – und das ohne wesentliche Nebenwirkungen.
Jedermann weiß das, doch nur wenige verhalten sich tatsächlich
dementsprechend. Eine Frage wird in der ärztlichen Praxis immer wieder
gestellt: Was ist wichtiger, die Ausdauer oder die Intensität der Belastung?
Meine Antwort: Für die allgemeine Fitness ist wichtig, wie intensiv die
Aktivität betrieben wird. Wer gut in Form ist, überlebt länger
– getreu dem Motto „survival of the fittest“. Aktivität
mit hoher Ausdauer hat einen messbaren, gesundheitsfördernden Einfluss
auf metabolische Variablen wie etwa das HDL-Cholesterin. Die maximale Wirkung
des Bewegungstrainings nutzt nur derjenige aus, der ausdauernd und zugleich
mit einer gewissen Intensität trainiert.
Grenzen der Medizin
Hochleistungsmedizin findet ihre Grenzen, selbst wenn zusätzlich apparative
und finanzielle Mittel unbegrenzt bereitgestellt würden.
Der andere Weg, das Problem anzugehen, ist die Prävention der Zivilisationskrankheiten.
Wie aber soll man einen Menschen, der seit der Schulzeit keinen Sport betrieben
hat, dazu bewegen aktiv etwas für seine Gesundheit zu unternehmen?
Kreativität, Kommunikation und Kompetenz sind gefragt, denn: Prävention
ist volkswirtschaftlich
günstiger als Heilen.
Bekanntlich liegt der Beginn des Übels Jahrzehnte vor der klinischen
Manifestation der koronaren Herzkrankheit. Solange die Endothelschicht über
der Plaque dicht und stabil ist, können wir mit der Diskrepanz zwischen
äußerem Wohlbefinden und innerlich unbemerkt fortschreitender,
zerstörerischer Erkrankung scheinbar sicher und gut leben.
Doch wehe, wenn diese schützende Schicht bricht. Wo eine Plaque entsteht,
an welcher Stelle sie platzt, ist nicht vorhersagbar. Neben den Routineparametern,
die in der ärztlichen Praxis Standard sind, werden zusätzlich Homocystein,
Lipoprotein (a), Entzündungs- und Gerinnungsparameter zunehmend mehr
diskutiert und für die koronaren Herzkrankheit verantwortlich gemacht.
Umstritten ist lediglich, ob es sich dabei um primäre oder sekundäre
Veränderungen handelt und welche therapeutischen Konsequenzen das Krankheitsrisiko
mindern.
Aufgabe des Hausarztes
Wegen der langen zeitlichen Vorlaufstrecke und auch, weil die wichtigsten
Risikofaktoren unstrittig sind, ist dieser Bereich der medizinischen Betreuung
ein ureigener Aufgabenbereich des Hausarztes. Niemand kann das Gesamtrisiko
eines Patienten besser einschätzen.
Alter, Geschlecht und Gene sind nicht beeinflussbar. Rauchen, Blutfette, Bluthochdruck,
Diabetes oder Übergewicht sind aber durch eine bewusste Lebensführung
positiv beeinflussbare Risikofaktoren. Immer spielt das individuelle Verhalten
die entscheidende Rolle.
Die Patientenschulung ist zur gesunden, kontrollierten Lebensführung
gesundheitspolitisch genau so wichtig wie der medizinisch eingesetzte Herzkatheter
oder die medikamentöse Behandlung.
Die echten Bösewichte, die krank und dick machen, heißen Bewegungsarmut
und Fast Food.
Kampf gegen Herzinfarkt
Fünf-Punkte Programm zum Kampf gegen Herzinfarkt.
1. Werden Sie unabhängig von der Zigarette
2. Ernähren Sie sich cholesterinarm, Stichwort: Mittelmeerkost (Obst,
Gemüse, Salate, Vollkornprodukte, Fisch)
3. Regelmäßige Bewegung mit Sport, der Spaß macht: 2 mal
pro Woche über 30 Minuten
4. Blutdruckkontrolle, bei Bedarf vom Arzt einstellen lassen (weniger als
140/80 mmHg)
5. Lernen Sie die Warnsymptome kennen.
Risikofaktoren im Griff
Das Problem bei Herz-Kreislauferkrankungen liegt zumeist in der Summe dieser
Faktoren.
1. Bluthochdruck
2. Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
3. Rauchen
4. Bewegungsmangel
5. Übergewicht (besonders stammbetont)
6. Fettreiche Ernährung
7. Fettstoffwechselstörungen (hohes LDL,Triglycerin)
8. Stress
9. Störungen der Blutgerinnung
10. Antikonzeptiva (Antibabypille)
11. Alter (Männer über 50, Frauen über 60 Jahren)
12. Herzinfarkte oder Schlaganfälle in der nahen Verwandtschaft.
Cholesterinwert halten
Das sollten Sie beachten, bei erhöhtem Cholesterinwert:
• Die Risikofaktoren kennen
• Maßnahmenplan festlegen
• Cholesterinsenkendes Medikament bei Bedarf
• Laborwerte alle sechs Monate kontrollieren
• Den Speiseplan ändern und bewusst einkaufen.
• Tierische Produkte mit hohem Fettanteil vermeiden.
• Fischgerichte bevorzugen.
