
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
Schmerz ist ein sinnvolles biologisches Signal.
Der akute Schmerz warnt vor gesundheitlichen Gefahren und sorgt dafür, dass beispielsweise durch Schiefstellung der Rücken geschont wird. Ist die Gefahr gebannt, gehen die Schmerzen in den meisten Fällen vorüber.
Nicht so bei Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden. Chronischer Schmerz macht das Leben unerträglich. Er kann die Persönlichkeit zerstören.
Nach Schätzungen der Deutschen Schmerzliga sind bundesweit mindestens acht Millionen Menschen von chronischen oder immer wiederkehrenden Schmerzen betroffen und deswegen in ärztlicher Behandlung. Hinzu kommen Hunderttausende, die resigniert haben und wegen ihrer Schmerzen gar nicht mehr zum Arzt gehen.
Chronischer Schmerz hat nicht nur Folgen für den Körper, sondern auch für die Seele. Deshalb kombiniert die moderne Schmerztherapie hochwirksame Medikamente mit psychologischen Verfahren.
Keiner muss Schmerzen aushalten. In der Praxis des Hausarztes behandeln wir in drei Schritten: Schmerzfreiheit, Entspannung, Selbsthilfe.
Vor der aktiven Teilnahme an psychologischen Trainingsprogrammen müssen die Schmerzen derart gelindert werden, dass sich der Betroffene auf die ergänzenden Maßnahmen konzentrieren kann.
Die moderne Medizin ist in der Lage, auch stärkste Schmerzen erträglich
zu machen. Neben Tabletten, Spritzen, Infusionen, Mikrowellenbestrahlung und
Magnetfeldtherapie gibt es weitere Möglichkeiten, Linderung herbeizuführen.
Starke, gleich bleibende Schmerzen lassen sich gut mit einem Schmerzpflaster
behandeln, das seinen Wirkstoff gleichmäßig abgibt und die Schmerzen
konstant verringert. Für den Patienten bedeutet das: Er muss sein Leben
nicht mehr strikt nach der Schmerzmitteleinnahme im Vier- bis
Acht-Stundentakt ausrichten. Soziale Kontakte sind dadurch leichter aufrecht
zu erhalten, und auch die täglichen Besorgungen stellen keine große
Last mehr dar. Als ultima ratio kann eine Schmerzmittelpumpe implantiert werden,
mit der der Patient bei heftigen Schmerzattacken sein Medikament selbst nachdosiert.
Doch Medikamente allein genügen nicht, denn chronische Schmerzen machen
oftmals psychisch krank. Sie beeinflussen das Erleben und Verhalten: gereizte,
sprunghafte Stimmungen, unberechenbare Art mit Problemen umzugehen und das
scheinbar unangemessenes Verhalten gegenüber Familienmitgliedern und
Freunden.
Speziell für die Schmerztherapie entwickelte Methoden können helfen,
die Schmerzschwelle des Patienten zu erhöhen und ihn beim Umgang mit
den Schmerzen zu unterstützen. Positiv wirken darüber hinaus Verfahren
wie die progressive Muskelentspannung, Autogenes Training oder Yoga. Auch
der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe kann dazu
einen wichtigen Beitrag leisten.
Im Idealfall erstellen Hausarzt und Psychologe gemeinsam mit dem Patienten
einen individuellen Behandlungsplan, der genau zu seiner Erkrankung, seiner
Persönlichkeit und seiner Lebenssituation passt. Nach Schätzungen
erhält allerdings nur einer von zehn Schmerzpatienten eine optimale Behandlung.
Wenn Schmerzen drei bis sechs Monate lang anhalten, oder wenn der Schmerz über Monate oder gar Jahre überdauert, dann wird Schmerz zu einer eigenständigen Krankheit. Und diese eigenständige Krankheit „chronische Schmerzen“ ist eben anders zu behandeln als der akute Schmerz.
Für Ihre Gesundheit alles Gute
wünscht Ihnen Ihr
Wolfgang Woynar
Rückenschmerzen in Zahlen
80% aller Leute haben mindestens einmal Rückenschmerzen
17% aller Leute gehen deswegen min. einmal pro Jahr zum Arzt
davon haben die hälfte geringe und nur
5% schwere Beschwerden
60 – 80 % Ursache nicht klar
60% mit Hexenschuss arbeiten wieder nach einer Woche
80 – 90% der Beschwerden klingen innerhalb 6 Monaten ab
30 – 40% arbeiten wieder nach sechs Monaten Arbeitsunfähigkeit,
15% arbeiten auch nach einem Jahr noch nicht
10% der Rückenpatienten verursachen 85 % der Kosten
Vorbeugung von Rückenschmerzen
(Nach Empfehlungen der „Quebec task force on spinal disorders“)
1. Unnötige Abklärungen, lange Krankschreibungen
und ausschliesslich passive Maßnahmen wie Fango, Massagen usw. müssen
vermieden werden.
2. Vor allem beim Fehlen von fassbaren Ursachen muss der
Patient über die Gutartigkeit seines Leidens aufgeklärt werden.
Er muss die Bedeutung von Fehl- und Überbelastung, Trainingsmangel sowie
Verspannungen erkennen lernen.
3. Künftige Schmerzepisoden können verhütet
oder selbst behandelt werden durch rückengerechtes Verhalten (Rückenschule),
Anpassungen am Arbeitsplatz etc.. Ein regelmässiges Gymnastikprogramm
fördert Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer. Zudem muss das eigene Verhalten
bezüglich Arbeitsstil, Leistungsansprüchen, Bewegung und Sport kritisch
hinterfragt werden.
Mögliche Ursachen von Rückenschmerzen:
• Wirbelgelenke fehlbelastet
• Muskel verkrampft
• Bandscheiben abgenutzt
• Nerven komprimiert
• Bindegewebe überdehnt
Prophylaxe:
• Vermeiden Sie Übergewicht, halten Sie sich aufrecht!
• Wechseln Sie häufig Ihre Position!
• Sorgen Sie für optimale Sitzverhältnisse!
• Beugen Sie beim Bücken Hüfte und Knie!
• Tragen Sie schwere Gegenstände nie alleine!
• Heben/tragen Sie Gegenstände körpernah!
• Verteilen Sie Lasten auf beide Schultern!
• Keine Drehbewegung des Rumpfes beim Lastentragen!
• Bitte führen Sie Rückengymnastik/Krafttraining durch!
• Betätigen Sie sich sportlich!
Selbsttherapie bei Rückenschmerz: WAS kann ich selbst Tun?
• Entlastungsstellung (liegen, Keil unter Knie)
• kalte Packung am Ort des Schmerzes, Wirbelsäule
• Einnahme Parazetamol (Schmerzmittel) und/oder Aspirin (Entzündungs-Schwellungshemmung)
zur Durchbrechung des Teufelskreises Schmerz/Verspannung.
Arztbesuch ist nötig bei
• Schmerzen während Tagen, zunehmend
• Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule
• Schmerzausstrahlung in Arm oder Bein
• Gefühlsstörung oder Schwäche in Finger oder Fuß
/ Bein
Das Ausmaß der Rückenschmerzen wird nicht allein durch „Alterung“
und „Verschleiß“ bestimmt: der Häufigkeitsgipfel für
Rückenschmerzen im Alter von 40 bis 45 Jahren – danach nimmt der
Vorgang des Alterns zwar zu, nicht aber die Häufigkeit der Rückenschmerzen.
Dr. med. Wolfgang Woynar
FA Allgemeinmedizin- Sportmedizin
www.hausarzt-bremerhaven.de
